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22.9.2010 | Von:
Gerhard Paul

"Chinas Mona Lisa" - Zur Geschichte des Mao-Porträts und seiner globalen Rezeption

Das Mao-Porträt zählt zu den am meisten reproduzierten Herrscherbildern. Als Kultobjekt der internationalen Studentenbewegung und Gegenstand der zeitgenössischen Kunst trug es zur globalen Mythologisierung Maos bei.

Einleitung

Ende des Jahres 2007 erschien in spanischen Zeitungen eine Anzeige des französischen Automobilherstellers Citroën: Von einer Anschlagfläche herunter schielt Mao Zedong, Vorsitzender des Zentralkomitees (ZK) der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) von 1949 bis 1976, dem neuesten Citroën-Modell hinterher. Nach Protesten aus China musste sich der Autobauer beim chinesischen Volk entschuldigen und die Werbung einstellen. Der Anzeige zugrunde lag das offizielle Staatsporträt Maos auf dem Platz des Himmlischen Friedens, dem Tiananmen Platz, in Peking.[1] Dieses Porträt ist als "Chinas Mona Lisa" und als "Mona Lisa der Weltrevolution" bezeichnet worden. Es sei Chinas erster und einziger globaler Markenartikel, befand die New York Times, "a kind of George Washington, James Dean and Che Guevara wrapped in one".[2] Wie die Fotos von Marilyn Monroe und Che Guevara gehört es zu den Ikonen des 20. Jahrhunderts. Mit Maßen von sechs mal vier Metern und einem Gewicht von zwei Tonnen ist es ein Bild der Superlative und vermutlich das größte Outdoor-Porträt, das es gibt. Allein während der Kulturrevolution wurde es in einer Auflage von 2,2 Milliarden Exemplaren vervielfältigt. Der Vergleich mit Leonardo da Vincis "Mona Lisa" drängt sich auf. Wie diese schaut Mao den Betrachter frontal an, und wie Da Vincis Gemälde entfaltet auch das Mao-Bild eine eigene ästhetische Kraft.


Fußnoten

1.
Vgl. Gerhard Paul, Das Mao-Porträt. Herrscherbild, Protestsymbol und Kunstikone, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, 6 (2009) 1, S. 58-84.
2.
New York Times vom 28.5.2006.