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30.8.2010 | Von:
Ulrike Capdepon

Der öffentliche Umgang mit der Franco-Diktatur

PP-Regierung und Ende des Schweigepakts

Als die rechtskonservative Partido Popular (PP) 1996 zum ersten Mal seit Bestehen der Demokratie die parlamentarische Mehrheit erhielt, haben die im Parlament vertretenen Oppositionsparteien, die Sozialisten und Vereinigte Linke gemeinsam mit den Regionalparteien, öffentliche Debatten über die Franco-Vergangenheit forciert und tabuisierte Themen, wie die Repression während der Diktatur, aufgegriffen. Der "Pakt der politischen Nicht-Instrumentalisierung"[6] , welcher das postfranquistische Spanien geprägt hatte, erwies sich nun als zerbrechlich. Insbesondere ab dem Jahr 2000, als die PP mit einer absoluten Mehrheit aus den Wahlen hervorging, erhöhte sich die strategische Thematisierung ihrer franquistischen Wurzeln[7] durch die Oppositionsparteien. Indem diese wiederholt Gesetzesinitiativen zur Entschädigung und Rehabilitierung unterschiedlicher Opfergruppen einbrachten, war der politische Konsens, Debatten über die Franco-Diktatur zu vermeiden, endgültig gebrochen.

War die massive Repression zuvor auch von der spanischen Geschichtswissenschaft kaum thematisiert worden, so avancierte sie ab Ende der 1990er Jahre zu einem breit diskutierten Thema. In den vergangenen Jahren ist eine kaum mehr zu überblickende Fülle an wissenschaftlichen Untersuchungen über die franquistische Unterdrückungspolitik erschienen. Auch mit Ausstellungen, Fernsehprogrammen, Romanen und Konzerten wird seither den Opfern franquistischer Repression gedacht. Diese Entwicklungen gingen einher mit verstärkten zivilgesellschaftlichen Forderungen nach Aufarbeitung und Aufklärung bisher verschwiegener Aspekte der Franco-Vergangenheit. So hat sich in Spanien seit der Jahrtausendwende eine zivilgesellschaftliche Basisbewegung formiert, die sich für die Auffindung und öffentliche Erinnerung an republikanische "Verschwundene" (desaparecidos) aus dem Bürgerkrieg einsetzt.

Fußnoten

6.
Paloma Aguilar Fernández, Guerra Civil, franquismo y democracia, in: Claves de Razon Práctica, 140 (2004), S. 24-33, hier S. 25.
7.
Die PP ist 1989 aus der Alianza Popular (AP) hervorgegangen. Bei deren Gründung im Oktober 1976 entstammte ein Großteil ihrer Kandidaten der franquistischen Elite;sechs der sieben Gründungsmitglieder waren unter Franco Minister gewesen.