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Editorial


30.7.2010
Der Klimawandel stellt die Menschheit vor eine riesige Herausforderung. Ende 2010 wird sich die Welt in Cancún (Mexiko) versammeln, um über ein neues Klimaabkommen zu verhandeln.

Ende dieses Jahres wird sich die Welt in Cancún (Mexiko) versammeln, um einen erneuten Anlauf für ein neues globales Klimaabkommen zu wagen. Nach der Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember 2009, die mit dem unverbindlichen und für viele unbefriedigenden "Copenhagen Accord" endete, sind die Hoffnungen, dass es noch in diesem Jahr zu einer umfassenden Einigung kommen könnte, jedoch gering. In der internationalen Klimadiplomatie ist der Optimismus, der sich nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten breit gemacht hatte, längst der Ernüchterung gewichen.

Dazu beigetragen hat, dass der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) im Herbst 2009 in eine schwere Vertrauenskrise geriet. War er 2007, als er seinen vierten Sachstandsbericht veröffentlicht hatte, noch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden, sah er sich im vergangenen Jahr dem Vorwurf der Datenmanipulation ausgesetzt ("Climategate"). Inzwischen haben mehrere Kommissionen festgestellt, dass der IPCC-Bericht zwar Fehler enthalten habe, es aber keinen Anlass gebe, seine Grundaussagen über die vom Menschen verursachten Klimaänderungen in Zweifel zu ziehen.

Weder Katastrophenszenarien noch verharmlosende Beschwichtigung sind angesichts der dramatischen Entwicklung hilfreich. Es ist vielmehr an der Zeit, realistisch mit den Herausforderungen - und den Chancen - umzugehen, die durch den Klimawandel entstehen. Doch wie schwierig es sein wird, die Interessen der Industriestaaten mit jenen aufstrebender Ökonomien wie China oder Indien zu vereinbaren, zeigt die Betrachtung des Klimawandels als Verteilungs- bzw. Teilungsproblem: Ohne Verzicht hier ist klimaverträgliches Wachstum dort nicht möglich. Dies ist vielleicht die Folge, die hierzulande am meisten schmerzt.