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5.7.2010 | Von:
Sonja Norgall

Voodoo für das haitianische Volk

Im Alltag der Haitianer bietet Voodoo vor allem Lebenshilfe, Heilung und Orientierung im Chaos der gesellschaftlichen und politischen Umbrüche. Dabei passen die Gläubigen ihren religiösen Kosmos immer wieder an die äußeren Einflüsse an.

Einleitung

Haiti kommt nicht zur Ruhe. Seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1804 und den USA im Jahr 1934 blutete die einst reiche Kolonie zu einem der ärmsten Länder der westlichen Welt aus. Die Infrastruktur ist unterentwickelt, viele Einwohner müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag überleben. Die Arbeitslosigkeit ist erdrückend. Wer kann, wandert aus. Nach Kolonialherrschaft, Naturkatastrophen und diktatorischen Regierungen liegt die Wirtschaft der karibischen Insel auch nach dem Erdbeben im Januar 2010 wieder am Boden. Hunderttausende Menschen verloren dabei ihr Leben, Millionen ihre Unterkunft. Baptistische Pastoren, die im Zuge der Wiederaufbauhilfe ins Land kamen, gaben den Voodoo-Anhängern eine Mitschuld an der jüngsten Katastrophe.[1] Im Februar 2010 kam es auch zu gewalttätigen Übergriffen auf Versammlungen von Voodoo-Anhängern in einem der Slums von Port-au-Prince. Der Kampf gegen den auf Haiti weit verbreiteten Volksglauben ruft Erinnerungen an die französischen Kolonialherren wach, die mit Gewalt ihre katholische Religion den afrikanischen Sklaven übertragen wollten. Aber Voodoo ist heute neben dem Katholizismus anerkannte Staatsreligion und wird von der Mehrheit der Bevölkerung praktiziert, häufig parallel zum katholischen Glauben. Aus welchen Elementen besteht Voodoo und welche Rolle spielt dieser afroamerikanische Glauben für die Haitianer?


Fußnoten

1.
Vgl. "Diese Leute sind schuld an dem Beben", online: www.stern.de/panorama/voodoo-jagd-auf-haiti-diese-leute-sind-schuld-an-dem-beben-1546132.html (19.5.2010).

Hintergrund aktuell (01.04.2010)

Knapp zehn Milliarden Dollar für Haiti

Eine neue Zukunft für Haiti: Auf Einladung der UN haben sich unter diesem Motto am Mittwoch (31.03.2010) Vertreter von mehr als 150 Staaten auf einer internationalen Geberkonferenz in New York getroffen. Für den langfristigen Wiederaufbau Haitis wollen Staaten und Organisationen rund 10 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Das ist deutlich mehr als erwartet.

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