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5.6.2010 | Von:
Markus Loewe

Die Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher und menschlicher Entwicklung in der arabischen Welt

Die arabischen Länder hinken bei der menschlichen Entwicklung dem Rest der Welt hinterher. Die Diskrepanz zwischen menschlicher und wirtschaftlicher Entwicklung ist es, die der islamistischen Opposition Sympathie und Zulauf einträgt.

Einleitung

In vielerlei Hinsicht zeichnet sich die arabische Welt durch ein hohes Maß an Heterogenität aus. Dies gilt auch für den Stand der menschlichen Entwicklung, bei dem die Bandbreite der arabischen Länder nahezu genauso groß ist wie die Bandbreite aller Länder der Welt insgesamt. Dabei besteht eine deutliche Korrelation von zahlreichen Indikatoren der menschlichen Entwicklung mit dem Pro-Kopf-Einkommen (PKE) der einzelnen Länder. Besonders gut schneiden die sechs Golfstaaten ab, deren PKE mit dem westlicher Industrieländer vergleichbar ist. Im Mittelfeld rangieren die middle-income countries, und das Schlusslicht bilden durchweg die drei arabischen low-income countries Jemen, Mauretanien und Sudan.

Doch trotz der verstärkten Aufmerksamkeit, die der menschlichen Entwicklung spätestens seit der Proklamation der Millenniumserklärung im Jahr 2000 zuteil wird, hat sich die Bereitschaft der meisten arabischen Regime zu einem stärkeren Engagement in den sozialen Sektoren nicht deutlich gestärkt. Noch immer hinken sie anderen Ländern, die auf demselben Einkommensniveau liegen, hinsichtlich der sozialen, gesellschaftlichen und politischen Möglichkeiten ihrer Bürgerinnen und Bürger deutlich hinterher. Und genau diese Diskrepanz zwischen menschlicher und wirtschaftlicher Entwicklung ist es, die der islamistischen Opposition in allen arabischen Ländern Sympathie, Unterstützung und Zulauf einträgt.