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14.5.2010 | Von:
Renate Kreile

Fragil und umkämpft - Frauenrechte im neuen Afghanistan

Perspektiven

Im Zuge der Internationalisierung des Staatsbildungsprozesses seit dem Jahr 2001 wird die "Frauenfrage" einmal mehr in der afghanischen Geschichte zur Arena macht- und identitätspolitischer Auseinandersetzungen. Dabei wird das genderpolitische Konfliktfeld auf komplexe Art und Weise dynamisiert;[30] uneinheitliche und widersprüchliche Tendenzen im Hinblick auf Frauenrechte koexistieren, konfligieren und verknüpfen sich.

Die meisten Frauen leben nach wie vor in bitterer Armut. Für sie bestehen die verfassungsrechtlich garantierten Rechte bislang nur auf dem Papier. Eine Verbesserung ihrer Stellung kann nur unter Einbeziehung der Gemeinschaften erfolgen, auf die sie existenziell angewiesen sind.

Doch selbst abgelegene Dörfer sind heute in translokale und transnationale Netzwerke einbezogen und haben medial Zugang zu globalisierten Diskursen. Davon bleiben die Familien- und Geschlechterverhältnisse nicht unberührt. Inwieweit sich perspektivisch westlich-moderne Rechtsnormen und "frauenfreundliche" Deutungen religiösen Rechts mit Traditionen lokalen Gewohnheitsrechts zugunsten von Frauen verknüpfen lassen, mag nicht zuletzt vom Engagement afghanischer Frauen selbst abhängen.

Fußnoten

30.
Vgl. Sippi Azerbaijani Moghaddam, Gender in Afghanistan, in: Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.), Afghanistan, Berlin 2006, S. 40f.