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11.5.2010 | Von:
Konrad Dussel

Entstehung und Entwicklung einer Gemeinschaft

Entstehung der Arbeitsgemeinschaft

Für viele Politiker, die noch den Rundfunk der Weimarer Republik erlebt hatten, war nicht verständlich, warum sie keinen Einfluss auf die Programme der deutschen Sender haben sollten. Schließlich waren sie ja die demokratisch gewählten Repräsentanten des Volkes. Nicht nur Bundeskanzler Adenauer war erbost über die seines Erachtens zu kritische Haltung der Anstalten seiner Politik gegenüber und strebte deshalb eine grundsätzliche Reorganisation des gesamten Systems an. Angriffspunkte gab es genügend: Der bislang nicht vorhandene Auslandsrundfunk musste organisiert werden; neben den Hörfunk überhaupt würde das Fernsehen treten, und NWDR und SWF besaßen noch keine deutschen Rechtsgrundlagen. Das Einfachste wäre es, alle Fragen mit einem einheitlichen Bundesgesetz zu beantworten.

Gegen ein solches Vorgehen gab es manchen Widerspruch, nicht zuletzt bei den betroffenen Anstalten. Wollte er tatsächlich Gehör finden, musste er sich organisieren. Der Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen Landesanstalten fiel umso leichter, als auch ansonsten die sachliche Notwendigkeit unbestritten war. Schon früh hatten die Sender der Militärregierungen damit begonnen, in lockerer Form zusammenzuarbeiten, vor allem in Urheberrechtsfragen. Im Laufe der Zeit intensivierten sich die Kontakte immer mehr, so dass über gewisse Institutionalisierungen nachgedacht wurde. Zum Modell der Weimarer Republik wollte jedoch keiner der Intendanten zurückkehren: Eine den einzelnen Anstalten übergeordnete (und am Ende noch von der Regierung dominierte) Reichsrundfunkgesellschaft sollte es nicht mehr geben. Stattdessen wurde auf einer Tagung in Bremen am 9. und 10. Juni 1950 von den sechs bestehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nur eine lockere "Arbeitsgemeinschaft" vereinbart, deren Satzung in nur wenige, ganz allgemeine Paragrafen gegossen wurde.

Allen Abgrenzungsbemühungen gegenüber der Bundesregierung zum Trotz nahm man es sprachlich damals jedoch nicht allzu genau: Statt ganz eindeutig von einer "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland" zu sprechen, verzichtete man auf das "in" und nahm in Kauf, dass der einfache Genitiv zweideutig blieb. Gemeint war zwar ein objekthaftes "für die" Bundesrepublik, im Hintergrund schwang jedoch noch immer die Besitzanzeige mit. Auch von der "ARD" war noch nirgends die Rede. Man bezeichnete sich zunächst einmal immer nur als die "Arbeitsgemeinschaft". Die Abkürzung ARD wurde erst 1954 eingeführt, nicht zuletzt, um das Sendezeichen des deutschen Fernsehens griffiger gestalten zu können.


Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

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