APUZ Dossier Bild

11.5.2010 | Von:
Konrad Dussel

Entstehung und Entwicklung einer Gemeinschaft

Reform von historisch Gewachsenem?

Das Gebäude, das die ARD in 60 Jahren errichtet hat, ist imposant und insgesamt auf jeden Fall erhaltenswert. Gleichwohl sollte der Hinweis erlaubt sein, dass manche Eigenheiten unvoreingenommenen Betrachtern eigentlich kaum noch verständlich zu machen sind. Sie sind nur noch als historisch Gewachsenes zu erklären. Ob sie deshalb so wie sie sind beibehalten werden müssen, oder nicht doch sinnvollerweise verändert werden sollten, steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt.

Nur auf zwei besonders auffallende Eigenheiten soll hier abschließend kurz hingewiesen werden. Wie gezeigt, entstand die ARD als Zusammenschluss der damaligen Landesrundfunkanstalten vor allem zum Zweck der Veranstaltung eines Fernsehprogramms. Als die Ministerpräsidenten der Länder eine neue Anstalt konstruierten, die ein zweites Programm anbieten sollte, war dies ein Konkurrent, der naheliegenderweise nicht in die bestehende Arbeitsgemeinschaft aufgenommen wurde. Jahrzehnte später ist diese Konkurrenz in den Schatten einer ganz anderen Auseinandersetzung getreten: der zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern überhaupt. Gleichwohl blieb die alte Trennung von ARD und ZDF bestehen. Die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wäre gestärkt, wenn er nur mit einer Organisation auftreten würde, wenn die Arbeitsgemeinschaft tatsächlich alle öffentlich-rechtlichen Anstalten umfassen würde, also auch das ZDF.

Aber auch die Struktur des Angebots an öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen ist unvoreingenommen und grundsätzlich zu überprüfen. Ihre in den 1960er Jahren etablierte Dreiteilung ist seit der Einführung des Privatfernsehens und neuer Übertragungstechnologien überholt. Die Landesanstalten strahlen schon längst nicht mehr nur regional begrenzt empfangbare Programme aus, die erst in ihrer Gesamtheit ein Drittes Programm bilden. Ihre mittlerweile acht (mit BR-alpha sogar neun) Angebote sind per Kabel und Satellit fast überall empfangbar. Der in den 1950er Jahren vorhandene Zwang zur Gestaltung eines Gemeinschaftsprogramms ist vor diesem Hintergrund entfallen. Seine Beibehaltung bedarf im Grunde neuer Legitimation, die sich nur aus einer stringenten Profilierung aller, ohne Zweifel als solcher unverzichtbaren öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme ergeben kann.

Es ist zwar verständlich, dass man nur ungern liebgewordene Besitzstände verändert, aber ein Gesamtangebot von mittlerweile 15 gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen hält durchaus beachtliche Gestaltungsspielräume für Umstrukturierungen bereit.


Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Der Programmauftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten lautet: Gewährleistung einer unabhängigen "Grundversorgung" mit Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung. Erfüllen die Sender ihren am Gemeinwohl orientierten Programmauftrag?

Mehr lesen