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3.5.2010 | Von:
Kathrin Voss

Grassrootscampaigning und Chancen durch neue Medien

Während früher auf der Straße Unterschriften gesammelt wurden, findet Grassrootscampaigning heute vor allem im Internet statt. Doch eine Website allein reicht nicht aus.

Einleitung

Grassrootscampaigning und Lobbying - das scheint ein Widerspruch zu sein, wird doch mit Lobbying in der allgemeinen Vorstellung häufig der Versuch von Unternehmen und Verbänden verbunden, hinter verschlossenen Türen politische Entscheidungsträger zu beeinflussen. Der Begriff grassroots (englisch: Graswurzeln) hingegen wird mit Aktivitäten von der Basis, von den Bürgerinnen und Bürgern, mit Basisdemokratie oder auch sozialen Bewegungen assoziiert. Wie also passen Grassrootscampaigning und Lobbying zusammen? Lobbying ist eben nicht mehr nur auf Aktivitäten hinter verschlossenen Türen beschränkt. Zwar hat Lobbying einen vorwiegend informellen Charakter und wird daher auch oft mit mangelnder Transparenz verbunden, aber neben den Formen des direkten Lobbyings gibt es auch das indirekte Lobbying. Darunter fallen verschiedene öffentliche Aktivitäten, Medienkampagnen und eben das Grassrootscampaigning.

Eine eindeutige Definition von Grassrootscampaigning ist kaum zu finden. Nicht jede öffentliche Kampagne kann als Grassrootscampaigning bezeichnet werden. Gemeinsames Element aller Definitionen ist die Mobilisierung.[1] Beim Grassrootscampaigning werden Menschen angesprochen, sich auf unterschiedliche Art und Weise für ein bestimmtes Thema oder Vorhaben einzusetzen. In enger gefassten Definitionen werden unter Grassrootscampaigning allerdings nur Petitionskampagnen verstanden, bei denen Bürger gezielt Politiker kontaktieren sollen, um eine bestimmte politische Position und daraus resultierend ein bestimmtes Abstimmungsverhalten im politischen Prozess einzufordern. Adressaten des Grassrootscampaigning sind in erster Linie politische Entscheidungsträger auf den unterschiedlichen Ebenen. Es sind aber auch andere Adressaten möglich. Von Nichtregierungsorganisationen (englisch: non-governmental organisations, NGOs) initiierte Grassrootskampagnen wenden sich beispielsweise auch an bzw. gegen Firmen, um einen Wandel im Verhalten der Firma herbeizuführen.

Je nach dem, von wem die Kampagne ausgeht, werden unterschiedliche Personenkreise angesprochen. Verbände und Gewerkschaften versuchen in erster Linie die eigenen Mitglieder zu mobilisieren. Firmen wenden sich an die eigenen Mitarbeiter, aber auch an Kunden oder Anwohner. NGOs versuchen neben ihren eigenen Mitgliedern meist auch die breite Bevölkerung zu erreichen. Auch die Art und Weise, wie die angesprochenen Menschen ihre Meinung zum Ausdruck bringen sollen, kann sehr unterschiedlich sein.[2] Sie kann vom Schreiben von Briefen oder E-Mails über Anrufe bis hin zur Beteiligung an Unterschriftenlisten, formalen Petitionen oder Bürgerbegehren reichen. Aber auch Aufrufe, eine bestimmte Meinung in Internetforen oder Leserbriefen zu artikulieren oder sich an Aktionen wie Boykotten zu beteiligen, können dazugezählt werden. Der Vorteil des Grassrootscampaigning gegenüber anderen Lobbyaktivitäten liegt in jedem Fall in der Legitimität, die durch die Mobilisierung gewonnen wird. Je größer die Zahl der Unterstützer ist, desto höher sind auch die Glaubwürdigkeit und das Gewicht der transportierten Botschaft und desto höher ist der aufgebaute Druck gegenüber der Politik.

Fußnoten

1.
Vgl. Rudolf Speth, Grassroots Campaigning, in: Olaf Hoffjann/Roland Stahl (Hrsg.), Handbuch Verbandskommunikation, Wiesbaden 2010 (i.E.).
2.
Vgl. Peter Köppl, Lobbying und Public Affairs - Beeinflussung und Mitgestaltung des gesellschaftspolitischen Unternehmensumfeldes, in: Beat F. Schmid/Boris Lyczek (Hrsg.), Unternehmenskommunikation, Wiesbaden 2006, S. 210.