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Die demokratische DDR in der internationalen Arena


4.3.2010
Die Entwicklungen in der DDR 1990 spielten kaum eine Rolle auf der internationalen Bühne. Dort ging es um die Auswirkungen einer deutschen Vereinigung auf die Stabilität in Europa.

Einleitung



War die deutsche Vereinigung Laune oder Weisheit, Aberwitz oder verblüffende Einsicht in die Unausweichlichkeit geschichtlicher Vorgänge? Die Nachfahren Klios werden darüber noch endlose Debatten führen.[1]




Weder die friedliche Transformation zur Demokratie noch die deutsche Vereinigung wurden 1989/1990 als unausweichlich betrachtet. Eher sprechen Belege aus Archiven, Erinnerungen und Interviews mit wichtigen Akteuren jener Tage für das Gegenteil: Unsicherheit, Zweifel, ja Irritation herrschten in offiziellen Kreisen nach dem Mauerfall und vor der Volkskammerwahl in der DDR im März 1990. Im Folgenden geht es darum, wie politische Entscheidungsträger und andere Beobachter außerhalb der beiden Teile Deutschlands die Perspektiven für eine eigenstaatliche, demokratische DDR einschätzten. Glaubte irgendjemand 1989/1990 daran, dass Ostdeutschland sein politisches und ökonomisches System reformieren sollte oder dass es irgendetwas Erhaltenswertes gebe? Oder betrachtete man nicht nur die Entfernung des Eisernen Vorhangs, sondern auch die deutsche Vereinigung als logischen Abschluss des Kalten Krieges?

Unter den westlichen Verbündeten der Bundesrepublik schien es keinerlei zwingende Logik für einen "alternativen" demokratischen, sozialistischen Staat zu geben. Die Führungspersönlichkeiten dachten nicht an Belange der Kultur oder an Institutionen und Transformationsprozesse; ihre Sorgen galten den Grenzen und der Sicherheit im Herzen Europas. Der alte Konsens über die Ostpolitik, nach dem der Status quo zweier deutscher Staaten als wünschenswert galt, kennzeichnete die internationale Meinung, bis durch das Tempo der Ereignisse, insbesondere den wirtschaftlichen Niedergang der DDR und den veränderten Ton der Demonstranten dieser Status quo unhaltbar wurde.

Wenn man die bis heute freigegebenen Dokumente und außerhalb Deutschlands publizierte Analysen bewertet, besonders die in den USA, dann springt es ins Auge, wie wenig Aufmerksamkeit auf die DDR und ihre Reformen gerichtet wurde. Stattdessen galt die Sorge einzig und allein der Aussicht auf ein großes, geeintes Deutschland, den Folgen für die europäische Sicherheit, der gefährdeten Stellung Michail Gorbatschows in seinem eigenen Land und den Konsequenzen für die Zukunft der europäischen Integration. Statt zu bedenken, was die ostdeutsche Führung, die Bürgerrechtler oder der Durchschnittsbürger über die Reformchancen der DDR zu sagen hatten, schauten die USA auf Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

Es gibt tatsächlich kaum Hinweise in Unterlagen und Analysen amerikanischer Amtspersonen auf Gespräche mit den Führern der DDR - Egon Krenz, Hans Modrow oder Lothar de Maizière - bzw. darauf, dass man ihre Position beachtete. Ein Mitglied des außenpolitischen Teams von Präsident George H. W. Bush erinnerte sich an einen aufschlussreichen Vorfall: "Krenz drängte Bush, er solle zustimmen, dass die Existenz zweier deutscher Staaten und ihre Mitgliedschaft in verschiedenen Allianzen fundamentale Elemente der europäischen Sicherheit seien. Nationalismus, ein Aufleben nazistischer Ideen und das Streben nach Korrektur der Resultate des Sieges der Anti-Hitler-Koalition, so Krenz, sind einem sicheren Frieden in Europa abträglich. Bush antwortete nie."[2]


Fußnoten

1.
Josef Joffe, Putting Germany Back Together: The Fabulous Bush and Baker Boys, in: Foreign Affairs, (1996) Jan./Feb., online: www.foreignaffairs.com (20.12. 2009).
2.
Philip D. Zelikow/Condoleezza Rice, Germany Unified and Europe Transformed: A Study in Statecraft, Cambridge, MA 1995, S. 81.

 

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