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4.3.2010 | Von:
Wilfried Rott

Abschied von West-Berlin

Die urbane Merkwürdigkeit West-Berlin war nicht nur im DDR-Sprachgebrauch eine "besondere Einheit", sondern sie dauert fort, solange die Amalgamierung der Stadthälften nicht vollendet ist.

Einleitung

Ausgerechnet West-Berlin, der demokratisch-kapitalistische Gegenentwurf zur das Stadtgebiet umgebenden DDR, teilte das Schicksal des sozialistischen deutschen Staates: Vom 9. November 1989 an eilte die Halbstadt mit zunehmender Geschwindigkeit ihrem Ende entgegen. Im Taumel der sich überstürzenden Ereignisse der deutschen Vereinigung nahm West-Berlin seinen eigenen Untergang kaum wahr, da ein Neues, lange Erhofftes und zugleich kaum noch Geglaubtes Wirklichkeit wurde: West-Berlin sollte nicht länger in seiner merkwürdigen Insellage verharren, nicht länger Halbstadt sein, sondern Teil des wiedererstandenen Gesamt-Berlins werden. West-Berlin war wie alle Welt vom Mauerfall wie von der sich anschließenden Vereinigungsdynamik überrascht und in keiner Weise darauf vorbereitet, obwohl es diesen Moment in seiner von jeher prekären Rumpfexistenz eigentlich hätte herbeisehnen müssen.