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26.2.2010 | Von:
Tanja Ernst
Ana María Isidoro Losada

Nord-Süd-Beziehungen: Globale Ungleichheit im Wandel?

Erklärt wird, was globale soziale Ungleichheiten sind. Obwohl strukturelle Asymmetrien fortbestehen, deutet der ökonomische Aufstieg und das neue politische Selbstbewusstsein einiger Schwellenländer auf einen Wandel.

Einleitung

Aus liberaler Perspektive, die sowohl die Massenmedien als auch internationale Finanzinstitutionen dominiert, befördert der in den vergangenen Jahrzehnten weltweit zu beobachtende politische und ökonomische Strukturwandel Entwicklung, Wachstum und steigenden Wohlstand. Das marktliberale Credo lautet, die weltweite Öffnung für Handel und Investitionen, die Steigerung der Exporte, Privatisierung, Deregulierung sowie Flexibilisierung von Arbeitsmärkten steigerten das Wirtschaftswachstum und den Lebensstandard aller. So werde mit der Anhebung des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens Armut reduziert und langfristig auch der ökonomische und soziale Aufstieg der unteren Einkommensgruppen erzielt.

Angenommen wird zudem, dass ärmere Länder, die ihre Märkte konsequent öffnen und ihre Nationalökonomien liberalisieren, aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus schneller wachsen, so dass sich die weltweit bestehenden Einkommensunterschiede mit der Zeit angleichen.[1]



Der nachfolgende Beitrag versucht keine generalisierende Antwort auf die vereinfachende Frage zu geben, ob die ökonomischen und politischen Wandlungsprozesse, die allgemein unter dem Schlagwort Globalisierung diskutiert werden, "positiv" oder "negativ" zu bewerten sind, sondern rückt einen konkreten Aspekt des Strukturwandels, d.h. die soziale Ungleichheit und aktuelle Tendenzen globaler Ungleichheit, in den Blick. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, ob und welche Veränderungen weltweite Asymmetrien in den vergangenen Jahrzehnten erfahren haben.

Fußnoten

1.
Vgl. Martin Wolf, Why Globalization Works, New Haven-London 2004; David Dollar, Globalization, Poverty and Inequality since 1980, in: David Held/Ayse Kaya (eds.), Global Inequality, Cambridge 2007, S. 73 - 103.

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