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Nelson Mandela und sein Erbe - Essay


16.12.2009
Mandela hat als Gründungsvater des "neuen Südafrika" geholfen, die Nation zu einen. Der aktuelle Präsident Zuma nutzt den "Mythos Mandela", hat aber einen schweren Weg vor sich.

Einleitung



Fast jeder Kontinent, so scheint es, hat mindestens eine große Gestalt, die die Nation und Region eint und repräsentiert, die jeder kennt und liebt, und auf die jeder stolz ist. In Südasien war das der Gründungsvater des indischen Staates, Mahatma Gandhi, in Südamerika Simón Bolivar, Anführer der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Im Süden Afrikas ist es Nelson Rohlila Mandela. Alle erhielten sie Namen, die mit ihnen untrennbar verbunden sind - Bolivar wurde der libertador, der Befreier, Gandhi - unter seinen gegebenen Vornamen kennt ihn niemand mehr - Mahatma, auf Sanskrit "dessen Seele groß ist". Beides zeugt von Respekt und Bewunderung. Mandelas Clanname, Madiba, deutet dagegen auf Vertrautheit, Bewunderung, selbst Zärtlichkeit; noch mehr gilt das für jenen Namen, den schwarze Südafrikaner zunehmend für ihn nutzen - Tata, Vater. Der Dalai Lama nennt Mandela einen würdigen Nachfolger Gandhis. Niemand in Afrika dürfte im Ansehen an ihn heranreichen. Nelson Mandela gilt aller Welt als Symbol für den Kampf um Freiheit. Kaum ein anderer Lebender gab so vielen Straßen, Schulen, Preisen seinen Namen. Sein Ruhm nimmt fast mythische Ausmaße an: Der Mythos Mandela bezieht sich somit auf ihn, auf seine Größe, seine historische Rolle in der "Regenbogenrevolution" und auf seine reale Wirkung. Aber ein Mythos hat auch Kehrseiten und Folgen. Auch die gilt es beim größten lebenden Afrikaner zu beachten.






Schon vor seiner Freilassung aus fast drei Jahrzehnten Haft im Februar 1990 galt er als Mythos. Sein Ansehen wuchs, als er, den man in seiner Heimat Südafrika damals weder zitieren noch abbilden durfte, sichtbar wurde. Wer dabei war bei seinen Schritten aus dem Gefängnis, seiner Rede vom Rathausbalkon in Kapstadt und seinem ersten Gespräch mit Journalisten, vergisst diese Augenblicke nicht: Seine große Gestalt, die Würde, die er natürlich ausstrahlt, sein Humor und sein Eingehen auf andere waren überwältigend. Er konnte und kann jeden mit Charme und Selbstironie einwickeln. Binnen kurzer Zeit vermochte er auch bei weißen konservativen Südafrikanern sein Bild zu ändern: Vom mutmaßlichen Terroristen wurde er für viele zum Freiheitshelden und Versöhner. Wer angesichts einer solchen fast unkritischen Wertschätzung nicht abhebt, ist stark - wie "Madiba", der sich selbst verspottet und gerne einen alternden Pensionär nennt. Er warnt vor der Neigung ihn zu vergöttern.

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