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26.9.2011 | Von:
Günther Maihold

Mexiko und die USA: zwischen NAFTA-Partnerschaft und Zweckgemeinschaft

Wirtschaftskrise, Migration und Drogenökonomie dominieren die Agenda in den Beziehungen zwischen Mexiko und den USA. Von der angestreb­ten "geteilten Verantwortung" sind beide Länder noch weit entfernt.

Einleitung

Geteilte Verantwortung" war das zentrale Stichwort von US-Außenministerin Hillary Clinton bei ihrer ersten Reise nach Mexiko im neuen Amt im März 2009. Diese zunächst nur auf den sogenannten Drogenkrieg gemünzte Verortung der Beziehungen zum südlichen Nachbarn wurde dort als Chance begriffen, zu einem neuen Verhältnis untereinander zu gelangen. Doch rasch machte auch in den USA die Einordnung Mexikos als failed state die Runde.[1] Die mexikanische Regierung hat darauf mit einer energischen Kampagne geantwortet, um zu verdeutlichen, dass sich das Land von diesem Zustand weit entfernt sieht. Das Ausmaß der Gewalt an der Grenze zu den USA hebt in einem weiteren Politikfeld den hohen Grad an Interdependenz zwischen beiden Ländern im Rahmen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) hervor. Auch wenn sich in Mexiko kein allgemeines Staatsversagen feststellen lässt, so sind doch Räume begrenzter Staatlichkeit zu erkennen,[2] die bei weitem nicht das ganze Land erfassen, aber mit deutlichen Einschränkungen bei der Gewährleistung grundlegender staatlicher Leistungen verbunden sind.

Der Problemhaushalt im bilateralen Verhältnis geht insoweit über die Regelung bloßer Nachbarschaftsbeziehungen hinaus: An der gemeinsamen Grenze und im Grenzraum beider Länder kristallisieren sich Sicherheitsprobleme, Migrationsfragen, wirtschaftliche Dynamiken und Krisen, Transport- und Logistiknotwendigkeiten, Energie- und Umweltkonflikte sowie Urbanisierungsfolgen. Diese "Hyper-Grenze"[3] definiert das Verhältnis beider Länder offensichtlich mehr als es den Politikern lieb ist, obwohl sie das Geschehen an der Grenze natürlich auch als politische Bühne zu nutzen wissen.

Fußnoten

1.
Vgl. George Grayson, Mexico, Narco-Violence and a Failed State?, New Brunswick, NJ 2010.
2.
Vgl. hierzu das Forschungsprogramm des Sonderforschungsbereichs 700 "Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit" an der Freien Universität Berlin, online: www.sfb-governance.de (22.7.2011).
3.
Vgl. Fernando Romero, Hyperborder. The Contemporary U.S.-Mexico Border and its Future, New York 2008.

Länderprofil 14

Mexiko

Mexiko ist sowohl von Zuwanderung und Transmigration – vor allem von Mittelamerika ausgehend in die USA – betroffen, als auch von Abwanderung, zumeist in die USA. Während des vergangenen Jahrhunderts war die Abwanderung am stärksten, dennoch haben alle drei Migrationsformen Spuren hinterlassen.

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