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Editorial


26.7.2011
Mindestens 136 Menschen sind an der Mauer in Berlin getötet worden. Das monströse Bauwerk beendete die Massenflucht aus der DDR und sicherte der Staatspartei die Macht.

In der Nacht zum 13. August 1961 geschah mitten in Berlin Unvorstellbares. Mit Stacheldrahtverhauen und Ziegelmauern begannen die Machthaber in der DDR damit, die Grenzen zum Westen zu schließen und eine Millionenstadt zu teilen. Die nachts taghell erleuchteten Sperranlagen, die Spanischen Reiter und das "freie Schussfeld" wurden bis 1989 zur gruseligen Normalität: für West-Berliner eher eine Unannehmlichkeit, für Ost-Berliner die tägliche Erinnerung daran, dass sie wie in einem streng bewachten Gefängnis lebten.

Mindestens 136 Menschen sind an der Mauer in Berlin getötet worden oder kamen im unmittelbaren Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben. Die SED-Führung behauptete stets, die Errichtung des "antifaschistischen Schutzwalls" habe dem Frieden gedient. Tatsächlich beendete das monströse Bauwerk die Massenflucht aus der DDR und sicherte der Staatspartei die Macht für weitere fast 30 Jahre.

In den Archiven findet sich eine Fülle von Belegen dafür, dass der Erste Sekretär der SED, Walter Ulbricht, treibende Kraft bei der schließlich von den Sowjets befohlenen Abriegelung gewesen ist. Kreml-Chef Nikita Chruschtschow hatte lange gezögert. Erich Honecker, ZK-Sekretär für Sicherheitsfragen, setzte den Mauerbau mit den "Freunden" generalstabsmäßig um. Auch wenn eine "heiße" Eskalation des Kalten Kriegs vermieden werden konnte: Der brachiale Schritt desavouierte das sozialistische Lager. Mit dem Beginn des Mauerbaus stand aller Welt vor Augen, wie gering die Attraktivität der DDR unter den Bedingungen der Systemkonkurrenz war. Jene, die unter diesen Verhältnissen lebten, mussten mit Gewalt daran gehindert werden, den Arbeiter-und-Bauern-Staat zu verlassen.



 

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