APUZ Dossier Bild

26.7.2011 | Von:
Andreas Kötzing

Ein Hauch von Frühling

Nach dem Mauerbau war die SED-Kulturpolitik von Freiräumen geprägt. Der Umgang mit dem Film "Deutschland – Endstation Ost" zeigt indes, dass diese bereits vor dem 11. Plenum eingeschränkt wurden.

Einleitung

Eine der beliebtesten Metaphern zur Kultur des "Kalten Krieges" ist das Wetter. So werden die Jahre nach Stalins Tod beispielsweise gerne als Periode des "Tauwetters" bezeichnet, da den Kunstschaffenden in der Sowjetunion und in anderen Staaten des Ostblocks vergleichsweise große Freiräume eingeräumt wurden. Andere Jahre, die von stärkeren Restriktionen geprägt waren, gelten hingegen als kulturpolitische "Eiszeiten".

Überträgt man die Metapher auf die DDR, dann war die Kulturpolitik der SED in etwa so beständig wie das englische Wetter. Gelegentlich schien für die Künstler in der DDR zwar die Sonne, doch zumeist zogen schnell wieder dunkle Wolken auf. Stürmische Winde wechselten die Richtung, regelmäßig gab es krachende Gewitter, welche die aufgeladene Spannung entluden und einen tristen Nieselregen nach sich zogen. Dieser Wechsel von kurzzeitigen "Hochs" und langanhaltenden "Tiefs" hat sich als tragfähiges Paradigma für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der SED-Kulturpolitik etabliert.[1] Freizügigere Phasen, in denen die Staatsmacht den Künstlern punktuelle Freiräume gewährte, wechselten sich mit Zeitabschnitten ab, in denen die Kunst stärker ideologisch vereinnahmt wurde. Die ersten Jahre nach dem Mauerbau, um die es im Folgenden gehen soll, gelten dabei gemeinhin als eine Phase größerer Freizügigkeit. Und in der Tat gab es ab 1962 in der DDR Anzeichen für eine - zumindest partielle - Offenheit innerhalb der Kulturpolitik.

Fußnoten

1.
Vgl. Manfred Jäger, Kultur und Politik in der DDR. 1945-1990, Köln 1994.