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5.7.2011 | Von:
Leonhard Dobusch
Sigrid Quack

Auf dem Weg zu einer Wissensallmende?

Wissensallmende 2.0

Insbesondere in der Wissenschaft, wo das Bereitstellungsproblem durch größtenteils öffentliche Forschungsfinanzierung aufgeworfen wird, gibt es Bemühungen, mit Hilfe des Internets auch das Zugangsproblem zu lösen. Unter dem Banner von Open Access propagieren die Europäische Union ebenso wie die großen nationalen Forschungsförderungseinrichtungen[7] neue Formen des digitalen Publizierens - teils über das Einstellen von Forschungsergebnissen in institutionelle Archive ("Repositorien"), teils in Form neuer, sogenannter Open-Access-Journale. Insbesondere die Bibliotheken hoffen auf diese Weise die als "Zeitschriftenkrise" bekannte Entwicklung umzukehren, in deren Folge ihr Angebot aufgrund steigender Zeitschriftenpreise bei stagnierenden Bibliotheksbudgets stetig schrumpft.

In manchen, insbesondere naturwissenschaftlichen Disziplinen haben inzwischen sowohl kommerzielle Anbieter (z.B. BioMed Central) als auch nicht-kommerzielle Plattformen (z.B. Public Library of Science, PLoS) Open-Access-Zeitschriften erfolgreich etabliert. In anderen, insbesondere geisteswissenschaftlichen Disziplinen gibt es jedoch auch Vorbehalte gegenüber dem Open-Access-Ansatz, weil der Niedergang von Fachverlagen und ein Zwang zu Open Access von Seiten der Fördergeber befürchtet werden.[8] Tendenziell lässt sich aber quer über alle Disziplinen hinweg eine Zunahme von im Internet frei verfügbaren Werken beobachten, bisweilen sogar ergänzt um die Rohdaten, auf denen die Veröffentlichungen basieren. Einige Wissenschaftsverlage verfolgen eine hybride Open-Access-Strategie, bei der einzelne Beiträge gegen die Bezahlung einer Gebühr durch den Autor bzw. dessen Trägerinstitution für die Allgemeinheit frei zugänglich gemacht werden. Hinzu kommen Initiativen, die universitäre Lehr- und Lernunterlagen frei zur Verfügung stellen. Einige der renommiertesten Universitäten der Welt, allen voran das Massachusetts Institute for Technology und die Harvard University, haben inzwischen mehrere Tausend Kursunterlagen online bereitgestellt.[9] Zumindest in der Wissenschaft könnte also mittelfristig die Vision von der Wissensallmende Realität werden.

Fußnoten

7.
In Deutschland unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG).
8.
Vgl. den "Heidelberger Appell" vom 22.3.2009 unter www.textkritik.de/urheberrecht/index.htm (30.5.2011) sowie die Reaktion der "Allianz der Wissenschaftsorganisationen" unter http://bit.ly/juZcBP (30.5.2011).
9.
Vgl. http://ocw.mit.edu/(30.5.2011) bzw. http://mycourses.med.harvard.edu/(30.5.2011).

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