APUZ Dossier Bild

30.6.2011 | Von:
Jana Puglierin
Christoph Schwarz

Das Ende der amerikanischen Supermacht nach "9/11"?

Einfluss innenpolitischer Dynamiken

Neben dem Aufstieg neuer Mächte und der zunehmenden Diffusion von Macht verweist ein zweiter Erklärungsansatz auf strukturelle Probleme im amerikanischen Bildungs- und Sozialsystem sowie auf "jahrelange Fehlentwicklungen in der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik".[13] Makroökonomische Indizes scheinen auf den Niedergang der amerikanischen Wirtschaftsmacht hinzudeuten - niedrige Sparquote, negative Handelsbilanz und damit immer weiter ansteigende Auslandsverbindlichkeiten, hohe Arbeitslosigkeit und die bevorstehende Belastung der Rentenkassen durch das Ausscheiden der baby boomer-Generation aus dem Erwerbsleben.

Vor allem das Haushaltsdefizit dient als prominenter Beleg für den Abwärtstrend.[14] Die möglicherweise bereits in den kommenden Jahren auf 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anwachsende Schuldenlast droht die Handlungsfähigkeit des Staates nachhaltig zu untergraben. In Verbindung mit der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, die ihren Ausgangspunkt in den USA hatte, sind diese Zahlen geeignet, die Zweifel hinsichtlich Erfolg und Nachhaltigkeit des amerikanischen Modells zu nähren. In der Bildungspolitik ist es inzwischen gängig, die quantitativ höheren Absolventenzahlen chinesischer und indischer Hochschulen als Beleg für den langfristig absehbaren Verlust an technologischer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit anzusehen.[15]

Fußnoten

13.
Tim Altegoer, Der Verfall amerikanischer Vormacht - Rückkehr einer Debatte, SWP-Zeitschriftenschau, Juli 2010, S. 2.
14.
Vgl. Christopher Layne, Graceful Decline. The End of Pax Americana, in: The American Conservative vom 1.5.2010, online: www.amconmag.com/article/2010/may/01/00030 (8.6.2011).
15.
Vgl. Fareed Zakaria, The Future of American Power. How American Can Survive the Rise of the Rest, in: Foreign Affairs, 87 (2008) 3, S. 30ff.