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30.6.2011 | Von:

Der 11. September als globale Zäsur? Wahrnehmungen aus Lateinamerika, Nahost, Russland und Indonesien

Situation im Irak

Für das Regime von Saddam Hussein bedeutete der 11. September 2001 das Ende, für den Irak war es der Beginn einer Reise in eine ungewisse Zeit. Nach den Angriffen entflammte der weltweite "Krieg gegen den Terrorismus", der in Afghanistan - dem damaligen Sitz des inzwischen getöteten Al Qaida-Chefs Osama Bin Laden - sein erstes Ziel fand und auch alle anderen sogenannten Schurkenstaaten im Visier hatte. Der Irak stand seit der Befreiung Kuwaits von den irakischen Truppen im Jahr 1991 im ständigen Konflikt mit dem Westen und der internationalen Staatengemeinschaft. Die USA stellten kurz nach den Angriffen in New York und Washington eine direkte Verbindung zwischen Bagdad und Al Qaida her: zum einen aufgrund eines vermeintlichen Treffens zwischen einem der Attentäter und einem Regimevertreter in der irakischen Botschaft in Prag, zum anderen durch die propagierte Gefahr, dass terroristische Organisationen - allen voran Al Qaida - in Besitz der Massenvernichtungswaffen kommen könnten, die es im Irak angeblich gab.

Der im März 2003 gestartete Irak-Krieg führte zu Verstimmungen zwischen den USA und "Alteuropa", sprich Frankreich und Deutschland. In der arabischen Welt führte der Fall von Bagdad zum beinahe totalen Bruch der arabischen Massen mit den USA. Zwischen 2003 und 2008 machten sich Tausende junge Araber auf den Weg in den Irak, um gegen die amerikanische Besatzung zu kämpfen, aber auch um dort an einem Bürgerkrieg teilzunehmen, der zwischen Sunniten und Schiiten - den zwei Hauptglaubensrichtungen des Islam - ausbrach. Über eine Million Tote forderte der Irak-Krieg und seine Folgen nach Schätzung einiger Menschenrechtsorganisationen, weitere drei Millionen flohen aus dem Land, vor allem in die benachbarten Länder Syrien und Jordanien.

Wäre der Irak-Krieg ohne den 11. September 2001 möglich gewesen? Über die Antwort streiten sich die Geister, auch die arabischen. Eines steht jedoch fest: Der Irak wurde nach dem 11. September und dem darauffolgenden Krieg für Jahre zum Schauplatz zur Begleichung offener Rechnungen zwischen den USA und Al Qaida. Wohin das Land nach dem beabsichtigten Abzug der amerikanischen Truppen Ende dieses Jahres treiben wird, wagt niemand zu prognostizieren.