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30.6.2011 | Von:
Gemma Pörzgen

Der 11. September als globale Zäsur? Wahrnehmungen aus Lateinamerika, Nahost, Russland und Indonesien

Präsident Putin überrascht mit tatkräftiger Unterstützung

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin gehörte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu den ersten Anrufern im Weißen Haus. Der Kremlchef machte sehr schnell deutlich, dass seine Regierung im "Kampf gegen den Terrorismus" an der Seite Washingtons stehe. Sein überraschendes Angebot an den damaligen US-Präsidenten George W. Bush war, die USA bei der Gegenwehr in Afghanistan logistisch zu unterstützen. Sogar ein Austausch geheimdienstlicher Informationen und die Teilnahme an internationalen Rettungsaktionen schienen kein Tabu mehr zu sein. "Putin tritt dem Westen bei", titelte damals der Moskau-Korrespondent der Zeit Michael Thumann seine Analyse einer dramatischen Wende der russischen Außenpolitik: "Zum ersten Mal seit 1945 haben Russen und Amerikaner einen gemeinsamen Feind", schrieb er.[19] In fast täglichen Telefonaten mit Bush sei Putin zu einem der engsten Verbündeten gegen den Terror herangewachsen. "Moskau versorgt die Amerikaner mit Informationen über Lager und Infrastruktur der Terroristen. Die Geheimdienste tauschen sich aus. Amerikanische Flugzeuge mit humanitärer Hilfe dürfen über Russland nach Zentralasien fliegen. Putin hat nichts dagegen einzuwenden, dass Usbekistan den US-Luftstreitkräften Flughäfen zur Verfügung stellt", so Thumann weiter.



In einer Rede vor dem Deutschen Bundestag am 25. September 2001 wurde deutlich, dass Putin im gemeinsamen "Kampf gegen den Terrorismus" die entscheidende Chance sah, um die Gegensätze des Kalten Krieges zu überwinden und einen grundlegenden Wandel im Verhältnis zwischen Moskau und dem Westen herbeizuführen. In der gleichen Rede warb Putin gleichzeitig um Verständnis für die Terrorismusbekämpfung im eigenen Land: "Infolge von Explosionen bewohnter Häuser in Moskau und in anderen großen Städten Russlands kamen Hunderte friedlicher Menschen ums Leben. Religiöse Fanatiker begannen einen unverschämten und großräumigen Angriff auf die benachbarte Republik Dagestan, nachdem sie die Macht in Tschetschenien ergriffen und einfache Bürger zu Geiseln gemacht hatten. Internationale Terroristen haben offen - ganz offen ihre Absichten über die Schaffung eines neuen fundamentalistischen Staates zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer angekündigt, das sogenannte Khalifat oder der Vereinigten Staaten des Islam."[20]

Fußnoten

19.
1 Michael Thumann, Putin tritt dem Westen bei, in: Die Zeit, (2001) 42.
20.
Rede online: www.bundestag.de/
kulturundgeschichte/geschichte/
gastredner/putin/putin_wort.html (24.5.2011).