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30.6.2011 | Von:

Der 11. September als globale Zäsur? Wahrnehmungen aus Lateinamerika, Nahost, Russland und Indonesien

Vom potenziellen Täter zum Opfer

Wachgerüttelt wurden die indonesische Bevölkerung und Politik erst durch die verheerenden und eindeutig antiwestlichen Bombenattentate auf Bali, dem Aushängeschild Indonesiens, im Oktober 2002. War die Bush-Regierung bis dahin wenig überzeugt von Megawatis commitment zum War on Terror, war Indonesien nun vom potenziellen Täter- ins Opfer-Lager gerutscht und damit auf derselben Seite. Die Nation war tief schockiert, Terrorismus war nicht mehr als ein rein amerikanisches oder indonesisches Problem abzutun. Gleichzeitig lieferten die Anschläge Megawati die innenpolitische Legitimation, sich nun mit größerer Zustimmung in der Bevölkerung dem War on Terror anzuschließen. Noch ahnte niemand, dass die USA nur wenige Monate später ein weiteres muslimisches Land, den Irak, bombardieren würden. Für die "Koalition der Willigen" konnte Präsident Bush Indonesien allerdings nicht gewinnen.

Wiewohl glücklos und zögerlich in der Bekämpfung der Korruption, konnte die indonesische Regierung unter ihrem in 2004 ersten frei gewählten Präsidenten S. B. Yudhoyono einige Erfolge im Kampf gegen den nationalen und internationalen Terrorismus verbuchen. Die Täter der Bali-Anschläge wurden verhaftet und zum Teil hingerichtet. Dadurch gewann das Land zumindest in der westlichen Welt an Ansehen und Vertrauen und spielt auf dem internationalen Parkett eine immer wichtigere Rolle.

Seit 2004 geht es auch wirtschaftlich wieder deutlich bergauf. Das ist zweifellos zu einem guten Teil den emsigen Bemühungen des Präsidenten geschuldet. Als Auslöser für die aktuelle Entwicklung ist aber das Zugeständnis Indonesiens an die Forderungen der USA und in der Folge die Bereitschaft, auch international mehr Verantwortung zu übernehmen, nicht zu unterschätzen. Indonesien hat teuer dafür bezahlt: Die Bali-Anschläge in 2002, Bombenanschläge auf das Marriott Hotel in 2003 und auf die australische Botschaft in 2004, eine ganze Bombenserie auf westliche Ziele in Bali im Oktober 2005, Anschläge auf das Ritz-Carlton Hotel und erneut das Marriott Hotel im Juli 2009 sind - direkt oder indirekt - die Rechnung der Islamisten für die Unterstützung der amerikanischen Politik.