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12.4.2011 | Von:
Thomas Schneider
Daniel Küchenmeister

Sport ist Teilhabe! - Essay

Sport hat das Potenzial, als Motor gesellschaftlicher Prozesse darauf hinzuwir­ken, dass Teilhabe für immer größere Teile der Bevölkerung realisiert werden kann. Dieses gilt es zu entdecken und zu fördern.

Einleitung

Wenn in diesem Sommer die Frauenfußball-WM in Deutschland stattfindet, wird auch das Thema der gesellschaftlichen Emanzipation von Frauen im und durch den Sport in den Fokus rücken.[1] Wenn außerdem - nur wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel am 26. Juni 2011 - mit dem Jahrestag der Errichtung des ersten öffentlichen Turnplatzes durch Friedrich Ludwig Jahn in der Berliner Hasenheide im Jahre 1811 die Turnbewegung ihr 200-jähriges Bestehen feiert, kann der organisierte Sport in Deutschland auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken.[2] Zusammen bieten beide Anlässe Gelegenheit, die Rolle des Sports in der Gesellschaft grundsätzlich zu erörtern.

Sport ist und war zu allen Zeiten Abbild und Motor gesellschaftlicher Prozesse sowie Kultur bildender Faktor, wobei er in den verschiedenen Phasen seiner Entwicklung unterschiedliche Ausprägungen erfahren hat, aber immer in wechselseitiger Beziehung zu den komplexen politischen, ökonomischen, sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnissen steht. Inzwischen scheint er in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein: Nicht zufällig sprach Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), anlässlich des 20. Jahrestags der Deutschen Wiedervereinigung von der "prägenden Symbolkraft" des Sports, fordert der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB) Rainer Brechtken, Bewegung als Bildung zu begreifen, oder wünscht sich Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), einen "werteorientierten Fußball". Dabei stellt sich in einer sich wandelnden Gesellschaft die Frage, vor welchen Forderungen und Herausforderungen der Sport und seine Akteure jetzt und in Zukunft stehen, um aktiv ihrer Verantwortung in der Gesellschaft gerecht zu werden und im und durch den Sport Zukunftsperspektiven zu schaffen.

Denn umgekehrt ist die Gesellschaft auch mitten im Sport angekommen, schließlich sollen alle relevanten gesellschaftlichen Probleme wenn nicht vom Sport gelöst, so doch mindestens im Sport abgehandelt werden. Die Probleme und Bruchstellen einer Gesellschaft, die unter dem zunehmenden Druck einer globalisierten und medialisierten Welt immer mehr Verwerfungen aufweist, zeigen sich auch - und teilweise vielleicht gerade - im Sport. Ob sich auch deren Lösungen hier zuerst finden lassen, ist eine andere Frage: In erster Linie handeln der Sport und seine Akteure innerhalb der Rahmenbedingungen und Erfordernisse, die der Sport selbst setzt. Darüber hinaus agieren sie aber als mehr oder weniger bewusste gesellschaftliche Akteure unter sich wandelnden Bedingungen.

Fußnoten

1.
Mit einem breiten Ansatz widmete sich diesem Thema auch die am 12.10.2010 in Potsdam von der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltete Tagung "Emanzipation und Fußball". Ein Dokumentationsband zur Tagung erscheint in Kürze im Panama Verlag Berlin.
2.
So auch geschehen auf dem Symposium "Berlin bewegt. Historische Wegmarken und die gesellschaftliche Verantwortung des Sports", das am 18./19.11.2010 in Berlin stattfand.

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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Innerhalb weniger Jahrzehnte ist der moderne Fußball zu einer bedeutsamen und populären Sportart geworden, die weltweit Millionen von Menschen fasziniert. Die Geschichte des Fußballs, seine Fans, aber auch sein Stellenwert für Politik, Wirtschaft und Medien sind Thema dieses Heftes.

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