APUZ Dossier Bild

12.4.2011 | Von:
Jörg-Uwe Nieland
Daniela Schaaf

Medienpräsenz von Sportlerinnen - Emanzipation oder Sexualisierung?

Personalisierung und Selbstinszenierung haben die Bekanntheit von Sportlerinnen in den vergangenen Jahren erheblich gesteigert. Aber die medial transportierten Bilder über Frauen verfestigen die Geschlechterstereotypisierung.

Einleitung

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London werden erstmals Medaillen im Frauenboxen vergeben. Doch deshalb von einer weiteren Episode der Emanzipation im Sport zu sprechen, wäre verfrüht.[1] Die Aufnahme des Frauenboxens ins olympische Programm ist nur ein Indiz für die Überwindung von Geschlechterdifferenzen im Sport und der Ausbildung einer weiblichen Sportidentität. Denn trotz der Aufmerksamkeit, welche insbesondere die Profikämpfe von Laila Ali, der Tochter von Muhammad Ali, oder der deutschen Weltmeisterin Regina Halmich seit Ende der 1990er Jahre erhielten, gilt Boxen weiterhin als Männersportart. Ali und Halmich sind einerseits Ausnahmen, da sie zu den wenigen Sportlerinnen gehören, denen es in einer "Arena der Männlichkeit" gelungen ist, über enorme mediale Präsenz große Popularität zu erlangen und ihre Finanzierung zu sichern. Anderseits sind Art und Umfang der Berichterstattung über ihre Karrieren Gradmesser für die Sport(art)entwicklung und die Emanzipation im Sport.

Die Frage, wie die Ausdifferenzierung des Sportsystems die Frauen einbezieht und zu einer quantitativ wie qualitativ angemessenen medialen Präsenz von Sportlerinnen führt, ist weiterhin offen. Wenn aus emanzipatorischer Sicht die Neutralisierung der Geschlechterdifferenz anzustreben ist, dann gilt es bezogen auf die Sportberichterstattung, das Festhalten an der binären Geschlechterordnung zu überwinden. Weil die Sportmedien sowie die über sie transportierten Aussagen und Bilder über Frauen und Männer ein Element der sozialen Konstruktion von Geschlecht im Sport sind - also das öffentliche Bild von Frauen und Männern im Sport mitbestimmen - können die Medien einen aktiven Beitrag an der Auflösung der bestehenden, ungleichen Geschlechterordnung leisten.[2]

Vor diesem Hintergrund werden im Folgenden Befunde zur Präsenz von Sportlerinnen in den Medien zusammengetragen und der aktuelle Status einer Emanzipation im Mediensport reflektiert. Hierfür wird zunächst die Geschlechterstereotypisierung in der Sportberichterstattung näher beleuchtet. Anschließend folgt die Erläuterung der produktpolitischen Ästhetisierungsstrategie der Sexualisierung, wobei ein Schwerpunkt auf die Vermarktung des äußeren Erscheinungsbilds von Sportlerinnen gelegt wird. Abschließend gilt es zu hinterfragen, inwiefern die zunehmende Darstellung von Frauen in Männersportarten zu einer Emanzipation von Athletinnen im Mediensport beitragen kann.

Fußnoten

1.
Vgl. die euphorischen Statements nach der Ankündigung der Aufnahme durch IOC-Präsident Jacques Rogge am 13.8.2009, etwa online: www.spiegel.de/sport/sonst/ 0,1518,642292,00.html (13.3.2011); vgl. mit einem Rückblick auf die Beteiligung von Sportlerinnen an den Olympischen Spiele der Moderne und die begrenzte Anzahl von zugelassenen Sportarten: Ilse Hartmann-Tews, Sportentwicklung in Europa unter Einbeziehung der Frauen, in: APuZ, (2004) 26, S. 31-38, hier: S. 34.
2.
Vgl. Ilse Hartmann-Tews/Bettina Rulofs, Zur Geschlechterordnung in der Sportberichterstattung, in: Thomas Schierl (Hrsg.), Handbuch Medien, Kommunikation und Sport, Schorndorf 2007, S. 137-154, hier: S. 149.

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

Fußball - mehr als ein Spiel

Innerhalb weniger Jahrzehnte ist der moderne Fußball zu einer bedeutsamen und populären Sportart geworden, die weltweit Millionen von Menschen fasziniert. Die Geschichte des Fußballs, seine Fans, aber auch sein Stellenwert für Politik, Wirtschaft und Medien sind Thema dieses Heftes.

Mehr lesen