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23.3.2011 | Von:
Stephanie Müssig
Nilden Vardar

Zur Rolle von muslimischen Konvertierten im Gemeindeleben

Muslime ohne Migrationshintergrund: Konvertierte Muslime

Bei einer näheren Betrachtung der muslimischen Gemeindestrukturen und Institutionen ist festzustellen, dass neben Muslimen mit Migrationshintergrund ebenso zum Islam Konvertierte in sehr vielfältigen Funktionen und teilweise Schlüsselpositionen in Gemeinden und Organisationen auf lokaler, regionaler sowie bundesweiter Ebene aktiv sind. Ihr Engagement und ihr Einfluss auf Meinungsbildungsprozesse beschränken sich dabei nicht nur auf das Gemeindeleben.

Trotz ihrer im islamischen Leben in Deutschland sichtbaren und partizipativen Rolle sind Konvertierte, das heißt Muslime ohne Migrationshintergrund, eine Bevölkerungsgruppe, die im Rahmen bisheriger Studien zu Muslimen in Deutschland nicht berücksichtigt wurde. Da die amtliche Statistik in Deutschland die Religionszugehörigkeit nicht erfasst und die islamische Glaubensgemeinschaft nicht zentral organisiert ist, liegen weder gebündelte Informationen von Seiten einer solchen Institution zu ihren Angehörigen vor, noch gibt es ein zentrales Register, in dem zum Islam Konvertierte aufgeführt sind. Auch ist die formale Konversion zum Islam ein unbürokratischer Vorgang, bei dem der Konvertierende in Gegenwart von zwei Zeugen das islamische Glaubensbekenntnis spricht. Vor diesem Hintergrund sind Schätzungen zur Zahl von Konvertierten, wie sie beispielsweise vom Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland regelmäßig vorgenommen werden, statistisch kaum belastbar.[8] Die bislang durchgeführten Untersuchungen konzentrieren sich überwiegend auf den Prozess der Konversion, die unterschiedlichen Motivlagen sowie die persönlichen Konsequenzen des Glaubensübertritts.

Fußnoten

8.
Vgl. Martin Spiewak, Meinungsstark, aber ahnungslos, in: Die Zeit vom 19.4.2007.