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10.1.2011 | Von:
Arne Busse

Mit "Ballerspielen" gegen pädagogische "No-Go-Areas"? Erfahrungen mit Eltern-LANs

Interesse und Resonanz der Teilnehmenden

Die meistgenannten Motive zur Teilnahme von Eltern und Pädagogen an den Eltern-LANs sind das Kennenlernen der Spiele der Kinder und Jugendlichen und das Verstehen der Faszination, die Computerspiele auf Kinder und Jugendliche ausüben. Auch der Austausch mit anderen Eltern wird bei der Abfrage der Erwartungen und Teilnahmemotivationen häufig genannt. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden war bislang in etwa paritätisch zwischen Eltern und pädagogischen Fach- bzw. Lehrkräften verteilt; im Durchschnitt aller Veranstaltungen waren etwa 60 Prozent der Teilnehmenden weiblich, 40 Prozent männlich. Der größte Informationsbedarf bezog sich auf Regelungen zum Umgang mit Computerspielen im familiären Medienalltag sowie dem Kennenlernen von Ansprechpartnern bei weiterführenden Fragen oder Unterstützungsangeboten. Die Auswertung der Evaluationsfragebögen ergab, dass fast alle Teilnehmenden zufrieden oder sehr zufrieden mit der Veranstaltung waren und 90 Prozent deren Anbindung an ein eSport-Event positiv oder sehr positiv beurteilten. Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen würden ausnahmslos alle die Veranstaltung weiterempfehlen und haben dies auch bereits gegenüber Kolleginnen, Kollegen und Bekannten getan.

Ein Lehrer aus Köln hatte seine Teilnahme an der Eltern-LAN bereits im Vorfeld Schülerinnen und Schülern mitgeteilt und wurde von ihnen dafür ausdrücklich gelobt: "Endlich mal ein Erwachsener, der sich dafür interessiert und sich selbst ein Bild macht, bevor er Spiele kritisiert." Seine kritische Einstellung zu "Counter-Strike" habe er auch nach der Veranstaltung nicht aufgegeben, könne jetzt aber "die Faszination verstehen und mit den Schülern auf Augenhöhe diskutieren". Die Mutter eines Zwölfjährigen aus Berlin resümierte: "Ich kann jetzt besser argumentieren, kann jetzt eher sagen, das eine Spiel ist für mich in Ordnung, aber das andere, da möchte ich nicht, dass du es spielst." Diese Eindrücke und Aussagen belegen, dass eine derartige Informationsveranstaltung dazu beitragen kann, Berührungsängste von Erziehenden gegenüber dem in erster Linie von Kindern und Jugendlichen genutzten Medium abzubauen. Auch kann es nach dem Besuch einer solchen Veranstaltung leichter fallen, sich in den Dialog mit Heranwachsenden über deren mediales Handeln zu begeben und sich selbst mit Inhalten von Computerspielen auf verschiedenen Ebenen kritisch auseinanderzusetzen.

Computerspielende, um nicht zu sagen "ballerspielende", Eltern sind ein Thema, das auf große Resonanz in den Medien stößt. Fast alle bisherigen Eltern-LAN-Veranstaltungen waren von großem Medieninteresse und der Präsenz von Journalistinnen und Journalisten begleitet, teilweise in solchem Maße, dass Regelungen zur Gewährleistung eines reibungslosen Veranstaltungsablaufs getroffen werden mussten. Nichtsdestotrotz unterblieb fast durchgängig eine sensationsheischende Berichterstattung oder gar Skandalisierung. Der Tenor der Artikel und Beiträge war fast durchgängig neutral-abwägend und wertschätzend.