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22. Juni 1941: Kriegserinnerung in Deutschland und Russland


30.11.2011
Die deutsche Erinnerung an den Vernichtungskrieg verschob sich vom Opferbild zu einer kritischeren Sicht; die russische ist vom Triumph des Sieges dominiert. Leid und Terror erhalten indes mehr Raum.

Einleitung



Vor allem mit drei Daten verbindet sich unsere Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg: dem 1. September 1939, als das Deutsche Reich mit dem Angriff auf Polen den Krieg auslöste, mit dem 22. Juni 1941, als das Deutsche Reich mit einem Überfall den Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion begann, und dem 8./9. Mai 1945, dem Tag von Kapitulation und Kriegsende. Unbestritten ist die Bedeutung des Mai-Datums. An das September-Datum wird heute vor allem in Polen, aber auch in Frankreich und Großbritannien erinnert. Für Deutschland und die Sowjetunion bzw. deren Nachfolgestaaten war dagegen der 22. Juni 1941 der tiefe Schnitt, begann erst dann jener Krieg, der die größte Verwüstung in der Geschichte Europas anrichtete. Zwischen dem 1. September 1939 und dem 22. Juni 1941 wurden weniger als zwei Millionen Menschen getötet, auch das gewiss eine Schrecken erregende Zahl. Zwischen Juni 1941 und Mai 1945 verloren in Europa mehr als 50 Millionen Menschen ihr Leben - als Soldaten im Kampf, als Zivilisten in Kriegshandlungen, als Opfer von Völkermord und Massenmord. Stärker als alle anderen waren mit 27 Millionen Toten die Bewohner der Sowjetunion getroffen.