APUZ Dossier Bild

10.11.2011 | Von:
Hardo Bruhns
Martin Keilhacker

"Energiewende": Wohin führt der Weg?

Problem der Stromspeicherung

Energiespeicherung von fossilen oder Biobrennstoffen ist üblicherweise ohne Schwierigkeiten möglich - ein Problem stellt sich nur beim Strom. Batterien und Kondensatoren bieten keine wesentlichen Großspeichermöglichkeiten. Pumpspeicherwasserkraftwerke und Druckluftspeicher (mit deutlich höheren Verlusten) haben derzeit nur Kurzzeitspeicherkapazität. Ob es gelingen kann, für den deutschen (und europäischen) Langzeitspeicherbedarf in Norwegen ausreichend (Pump-)Speicherkraftwerke zu bauen, ist angesichts der bereits jetzt weitgehenden Nutzung des nach derzeitigen Bestimmungen möglichen Potenzials und von zu erwartenden Bürgerprotesten nicht leicht zu beantworten.

Aus Wind und Sonne gewonnene überschüssige elektrische Energie kann mit Elektrolyse zur Herstellung von speicherbarem Wasserstoff (bzw. anschließend Methan[23] ) genutzt werden. In das Erdgasnetz eingespeist, kann damit Wärme erzeugt werden.[24] Allerdings ist diese Möglichkeit zu teuer, solange auf Grund des EEG die hohen Wind- und noch viel höheren Photovoltaikstromkosten anfallen. Dieser Weg ist aber ohnehin keine echte Stromspeicherung, denn die Rückverwandlung in Strom in Gaskraftwerken ist wegen hoher Verluste wenig sinnvoll. Vielleicht kann bei Nutzung in mobilen Brennstoffzellen eine günstigere Rechnung im Vergleich zu Diesel- oder Benzinantrieben aufgemacht werden.

Batterien von Elektroautos werden gern als zukünftig im Netz relevante Stromspeicher dargestellt. De facto dürfte ihr Einfluss zumindest in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten eher bescheiden sein; von den 20 bis 25 Gigawattstunden (GWh) Kapazität der für 2020 geplanten eine Million E-Fahrzeuge dürfte in der Praxis nur ein Bruchteil als Lastspeicher nutzbar sein, wenn der Fahrbetrieb im Vordergrund stehen soll. Damit werden diese teuren Batterien kaum mehr als zehn bis 20 Prozent der schon heute verfügbaren Pumpspeicherkapazität von 50 GWh bringen.

Fußnoten

23.
Für die Entwicklung eines entsprechenden Verfahrens verlieh die deutsche Gaswirtschaft 2010 ihren Preis für Innovation und Klimaschutz.
24.
Der über Erdgas gedeckte Energieverbrauch ist etwa doppelt so groß wie der Stromverbrauch. Eine Umwandlung von einigen -zig Prozent der Stromerzeugung in Wasserstoff lässt sich also leicht durch Speicherung bzw. Reduzierung des Imports von Erdgas auffangen.

Dossier

Energiepolitik

Die Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Schrittweise sollen Atomenergie und fossile Kraftstoffe durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Dazu sind riesige Investitionen erforderlich. Gleichzeitig befindet sich der globale Energiemarkt im Umbruch: Während in Europa schrittweise mehr Wettbewerb eingeführt wird, konzentriert sich die Kontrolle über die weltweiten Öl- und Gasreserven zunehmend in der Hand von wenigen Staatsfirmen. Das Dossier ist Bestandsaufnahme der aktuellen Energiemärkte und bietet einen Ausblick auf Chancen und Risiken zukünftiger Energiepolitik.

Mehr lesen