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10.11.2011 | Von:
Manfred Bürger
Michael Buck
Georg Pohlner
Jörg Starflinger

Fukushima: Gefahr gebannt? Lernen aus der Katastrophe

Folgen des Unfalls und Sanierungsmaßnahmen

Ein weiteres Unfallmanagement ist noch über längere Zeit erforderlich. So bleibt die Kühlung von Kernmaterial eine andauernde Aufgabe. Auch nach einem Jahr könnte noch Schmelzen auftreten, allerdings reicht dann ein stark reduzierter Wasserzustrom. Dies hängt aber auch von der Konfiguration der Schmelze ab. Große geschmolzene Anteile werden aber zunehmend unwahrscheinlicher, so dass Risiken daraus abnehmen. Eine weitere Verlagerung der Schmelze durch Beton- und Boden-Erosion sowie weitere Freisetzungen von Radioaktivität durch einen teilweise geschmolzenen Zustand sind aber nicht auszuschließen. Fortgesetztes massives Fluten kann kontraproduktiv sein.

Um eine weitere Verbreitung radioaktiven Materials zu verhindern, ist letztlich die gesamte Anlage durch stabile Umhüllungen einzuschließen. In der Umgebung müssen Dämme und im Erdreich tiefe Mauern errichtet werden. Auch sind verbesserte Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz gegen neuerliche Erdbeben und Tsunamis zu treffen. Erhebliche Belastungen in der Anlage selbst und einer weiten Umgebung resultieren bereits aus dem bisherigen Austrag radioaktiver Stoffe. Hierzu bedarf es intensiver, großräumiger Untersuchungen, wobei besonders lokale Spitzenbelastungen zu erfassen sind. Regelmäßige Gesundheitschecks sind erforderlich, zudem gilt es, im Bereich der Anlage und (abhängig von Messungen) in einer weiten Umgebung Dekontaminationsmaßnahmen einzuleiten. In den Anlagen steht das in großen Mengen angefallene, radioaktiv belastete Wasser im Vordergrund. Im Hinblick auf Wiederansiedlungen sind großflächige und tiefe Abtragungen des Erdreichs voraussichtlich unvermeidlich.

Eine Einschätzung aller Folgen des Unfalls ist nach wie vor schwierig. Im Vergleich zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 ist nach vorliegenden Informationen viel weniger radioaktives Material freigesetzt worden, vor allem weil es in Fukushima keine unkontrollierte nukleare Kettenreaktion ("nukleare Exkursion") und keinen Graphitbrand gab wie in Tschernobyl. Die Wasserstoff-Explosionen öffneten dagegen hauptsächlich nur Pfade für die Freisetzungen, die sich daher auf die nähere Umgebung konzentrierten. Die gesundheitlichen Auswirkungen der freigesetzten radioaktiven Stoffe sind noch schwerer zu beurteilen. Als Unfallfolgen sind aber auch die Belastungen aus der Evakuierung von mehr als 100000 Menschen zu betrachten sowie die Unsicherheiten mit den fortbestehenden Gefährdungen. Maßnahmen entsprechend den hier aufgeführten sind auch Gegenstand einer "Roadmap" von TEPCO.[3] Die darin angegebenen Ziele und Wege gehen in die richtige Richtung. Sie zeigen gleichzeitig den langen und aufwendigen Weg an.

Fußnoten

3.
Vgl. Current Status of "Roadmap towards Restoration from the Accident at Fukushima Daiichi Nuclear Power Station, TEPCO" (Revised edition), 17.8.2011, online: www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/betu11_e/images/110817e3.pdf (29.9.2011).

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