APUZ Dossier Bild

10.11.2011 | Von:
Manfred Bürger
Michael Buck
Georg Pohlner
Jörg Starflinger

Fukushima: Gefahr gebannt? Lernen aus der Katastrophe

Lehren für Sicherheitskonzepte

Welche Lehren sind für Deutschland und Europa zu ziehen? In einer eilig herbeigeführten Entscheidung beschloss die Bundesregierung kurz nach der Katastrophe in Japan ein dreimonatiges Moratorium, und setzte die wenige Monate zuvor beschlossenen Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke aus. Die älteren Anlagen wurden vorläufig stillgelegt. Zugleich sollte durch einen "Stresstest" deutscher Kernkraftwerke eine Basis für endgültige Entscheidungen geschaffen werden. Beim "Stresstest" sollte eine anlagenspezifische Sicherheitsüberprüfung darüber durchgeführt werden, ob Sicherheit aufgrund neuer Annahmen neu definiert werden muss.

Welche Fragen ergeben sich also aus Fukushima? Offensichtlich handelt es sich nicht um bisher unerkannte Gefährdungen. Die Besonderheit einer Tsunami-Situation ist für Deutschland praktisch nicht gegeben. Festzustellen sind also allenfalls Defizite durch eine Nichtbeachtung von vorher bereits erkennbaren Risiken. Dann beinhaltet die Fragestellung für Deutschland und Europa eine Kritik an bisherigen Sicherheitsanalysen. Es reicht aber nicht aus, für jahrzehntelang Bearbeitetes in kurzer Frist neue Einschätzungen zu fordern. Das Funktionieren der Sicherheitsforschung und des Sicherheitssystems selbst ist dann zu überprüfen. Es drängt sich somit der Eindruck auf, dass der "Stresstest" vor allem der Argumentation für den politisch gewollten Ausstieg dienen sollte.

Letztendlich wurde als hauptsächliches Kriterium für die Abschaltung einzelner Kraftwerke die Absicherung gegen Flugzeugabstürze herangezogen. Tatsächlich handelt es sich hier um äußere Ereignisse, die am ehesten ein Außerkraftsetzen auch von geschützten Notstromsystemen verursachen könnten. Durch Explosionen und großräumige Brände könnten auch längere Zeit Zugänge versperrt sein. Weitere Betrachtungen solcher "Restrisiko"-Szenarien scheinen geboten, schon im Hinblick auf die noch laufenden Reaktoren in Deutschland und die Perspektiven in Europa.


Dossier

Energiepolitik

Die Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Schrittweise sollen Atomenergie und fossile Kraftstoffe durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Dazu sind riesige Investitionen erforderlich. Gleichzeitig befindet sich der globale Energiemarkt im Umbruch: Während in Europa schrittweise mehr Wettbewerb eingeführt wird, konzentriert sich die Kontrolle über die weltweiten Öl- und Gasreserven zunehmend in der Hand von wenigen Staatsfirmen. Das Dossier ist Bestandsaufnahme der aktuellen Energiemärkte und bietet einen Ausblick auf Chancen und Risiken zukünftiger Energiepolitik.

Mehr lesen