APUZ Dossier Bild

10.11.2011 | Von:
Manfred Bürger
Michael Buck
Georg Pohlner
Jörg Starflinger

Fukushima: Gefahr gebannt? Lernen aus der Katastrophe

Konsequenzen der Energiewende

Nach dem Beschluss zur Energiewende in Deutschland, abgestützt durch die flankierend zum Reaktor-"Stresstest" eingesetzte Ethikkommission, stehen höchst komplexe Gestaltungswege und Entscheidungen an. Einerseits verweist das Unglück in Fukushima darauf, dass die Lösung der globalen Energieprobleme über den Ausbau der Kernenergie sicherheitstechnisch problematisch wäre. Um in die Größenordnung relevanter Beiträge zum gesamten Energiebedarf zu kommen, also in eine bezüglich der Klimaproblematik entscheidende Dimension, wären Tausende neuer Reaktoren weltweit notwendig, was auch ökonomisch kaum gangbar erscheint. Andererseits sind Wege allein über regenerative Energien, insbesondere Wind und Sonne, schwer vorstellbar, außer über politisch schwierige Großprojekte im Bereich der Solarenergie in Wüstenregionen. Räumliche und zeitliche Schwankungen erfordern Speicherung und Netzausgleich in großem Maßstab. Bedarfsorientierte Modelle der lokalen Nutzung ("Energieautonomie") erscheinen daher nur begrenzt einsatzfähig, am ehesten noch im Sinne des allerdings wichtigen Ziels der Einsparung. Es kommt darauf an, die Schwierigkeiten und Wege realistisch zu beschreiben, um fundierte Entscheidungsprozesse zu ermöglichen.

Fraglich bleibt, inwieweit Wege überhaupt gangbar sind, die nicht auf Einschränkungen des Produktionswachstums zielen, trotz Steigerung von Energieeffizienz und Energiesparen. Ob eine solche Wachstumsbegrenzung Askese-Forderungen bedeutet oder sogar eher eine qualitativ bessere Lebensweise einleiten könnte, bedarf einer separaten Diskussion. Ob der Beschluss zum Ausstieg aus der Kerntechnik Übergänge eher fördert, da er sie erfordert, oder angesichts der absehbaren Probleme und Konflikte eher blockiert und Katastrophen-Tendenzen befördert (etwa durch soziale Brüche), hängt auch von der Entwicklung einer öffentlichen Kultur politischer Auseinandersetzung ab.


Dossier

Energiepolitik

Die Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen. Schrittweise sollen Atomenergie und fossile Kraftstoffe durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Dazu sind riesige Investitionen erforderlich. Gleichzeitig befindet sich der globale Energiemarkt im Umbruch: Während in Europa schrittweise mehr Wettbewerb eingeführt wird, konzentriert sich die Kontrolle über die weltweiten Öl- und Gasreserven zunehmend in der Hand von wenigen Staatsfirmen. Das Dossier ist Bestandsaufnahme der aktuellen Energiemärkte und bietet einen Ausblick auf Chancen und Risiken zukünftiger Energiepolitik.

Mehr lesen