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18.10.2011 | Von:
Haci-Halil Uslucan

Wie fremd sind uns "die Türken"? - Essay

Der Beitrag geht der Frage nach, wie die Fremdheit "der Türken" diskursiv konstruiert wird. Eine Studie über Wertedivergenzen zeigt, dass die unterstellte "Parallelwertewelt" zwischen Türkeistämmigen und Deutschen überzogen ist.

Einleitung

Wer noch seine Asterix-Lektüre im Kopf hat, erinnert sich an folgende Passage: "Du kennst mich doch, ich habe nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!" Allerorts hören wir auch heute: "Nein, eigentlich habe ich nichts gegen die Türken. Ich war schon so häufig in der Türkei. Aber die Türken bei uns? Nee, mit denen möchte ich nichts zu tun haben. Wie die sich benehmen? Das ist ja skandalös." Der Skandaldiskurs ist nicht erst seit den diffamierenden Äußerungen im Zuge der sogenannten Sarrazin-Debatte seit Sommer 2010 en vogue: Er kann sich auf eine lange Geschichte der Konstruktion von Wildheit und Fremdheit der Türken berufen, so etwa, wenn Martin Luther mit den Worten zitiert wird, die Türken seien als Rute und Geißel Gottes geschickt worden, um die vom Glauben abfallende Christenheit zu strafen. Doch den Zerrbildern von damals lagen kaum reale Begegnungen - außer in kriegerischen Handlungen - zugrunde.

In den vergangenen 50 Jahren, so müsste man annehmen, hat die wechselseitige Wahrnehmung realistische Züge angenommen. Doch ist man sich einander vertraut(er), wenn 2011 das 50. Jahr der Anwerbung türkischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Deutschland gefeiert wird? Was sind wechselseitige Stereotype? Warum, wodurch und von wem werden diese Zerrbilder aufrechterhalten? Hierzu sollen einige Überlegungen aus der Sozialpsychologie Klarheit verschaffen.


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