Auf der Robert-Schuman-Parade in Warschau wird die EU-Flagge getragen.

17.1.2012 | Von:
Jutta Limbach

Europäische Sprachenpolitik

Die Europäische Union fördert das Erlernen von Fremdsprachen ungeachtet ihrer Verbreitung. Kann die Mehrsprachigkeit zur Konsolidierung Europas beitragen? Oder wäre die privilegierte Förderung des Englischen als "Lingua franca" sinnvoller?

Jutta Limbach: Plädoyer für die Mehrsprachigkeit in der Europäischen Union

Wir leben in einer umfassend vernetzten Welt, in der die Grenzen zwischen Ethnien und Nationen immer durchlässiger werden. Unsere Welt kennt nur noch wenige unüberschreitbare Grenzen. Diese Offenheit begünstigt die Neigung, kulturelle Unterschiede einzuebnen und sprachliche Vielfalt abzubauen. Im Zuge der den Erdball immer dichter und schneller umspannenden Kommunikation verstärkt sich der wirtschaftliche Druck zu Gunsten einer oder weniger Weltsprachen.

Wer wollte den Wert einer Lingua franca leugnen? Ob auf Reisen oder bei dem Zusammentreffen mit Sprechern fremder Idiome kommt uns allenthalben und allerorten zustatten, dass wir in der englischen eine weltweit gesprochene Sprache besitzen, die uns eine Verständigung ermöglicht. Solange wir noch der Maschinen entbehren, die unsere muttersprachlichen Äußerungen automatisch in das Idiom unseres Gegenübers übersetzen, werden wir einer oder einiger weniger internationaler Verkehrssprachen bedürfen. Für die deutsche Sprache allerdings ist der Traum von der Weltsprache ausgeträumt.

Der englischen Sprache ist diese Rolle zugefallen. Dies hat sie gewiss nicht ihrer Ausdruckskraft und Schönheit zu verdanken. Obwohl an diesen Vorzügen der englischen Sprache nicht zu zweifeln ist. Der Status einer Sprache ist eng mit politischer, wirtschaftlicher und kultureller Macht verknüpft.[1] Die Weltgeltung des Englischen ist ohne Zweifel ein Resultat von Macht. Zwei Faktoren spielten eine wichtige Rolle: die Expansion der britischen Kolonialmacht zum einen und der Aufstieg der USA zur führenden Wirtschaftsmacht des 20. Jahrhunderts zum anderen.

Fußnoten

1.
Vgl. David Crystal, English as a Global Language, Cambridge 20032, S. 10, S. 85.