Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.
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Just Fashion? NS-Symbole in der indonesischen Jugendkultur


5.3.2012
Der Blick auf den befremdlichen Umgang indonesischer Jugendlicher mit natio-nalsozialistischer Symbolik und Thematik zeigt, dass Geschichte weltweit spezifischen Interpretationen und Aneignungen unterworfen ist.

Einleitung



In Indonesien existierte bereits lange vor der Einführung der modernen Geschichtsschreibung eine indigene Geschichtstradition, die sich in Hofchroniken, aber auch in darstellenden Künsten wie verschiedenen Theaterformen und Tänzen niederschlug. Durch die Einführung eines modernen Schulsystems nach niederländischem Vorbild im Jahr 1950 fanden aber immer mehr "westliche" Geschichtskonzeptionen Verbreitung. Am Beispiel der Wahrnehmung indonesischer Jugendlicher von der deutschen Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus möchte ich Einblicke in das derzeitige Geschichtsverständnis geben und untersuchen, welche Faktoren es beeinflussen.[1]

Ein Phänomen, das sich schon seit längerer Zeit in Indonesien beobachten lässt, ist die zunehmende Popularität von NS-Thematik und -Symbolik im öffentlichen Leben der urbanen Mittelschicht. Dies bezieht sich sowohl auf das Erscheinen von Hitlers "Mein Kampf" in indonesischer Sprache als auch auf verschiedene Trendartikel mit Nazi-Symbolik. Hierunter fallen Aufkleber, T-Shirts, Buttons, Poster und Gürtel mit Hitler-Portraits, SS-Runen und Hakenkreuzen, die vor allem von Jugendlichen getragen werden. Ebenso geschieht es nicht selten, dass man, sobald man sich als Deutsche zu erkennen gibt, vom Gegenüber ein Lächeln erhält und den Kommentar "Oh ja, Hitler, der war stark, oder!?" zu hören bekommt. Dass man selbst weder diese Stärke bewundert, noch auf die gemeinsame Nationalität stolz ist, stößt dann meist auf Erstaunen.

Bedeuten diese Phänomene, dass nationalsozialistisches Gedankengut in Indonesien stark verbreitet wäre? Oder könnte es gar ein Indiz dafür sein, dass verschwörungstheoretische und judenfeindliche Verleumdungen des Holocausts im überwiegend muslimischen Indonesien auf besonders fruchtbaren Boden fallen? Gespräche mit vielen Jugendlichen sowie meine Untersuchungen an drei unterschiedlichen Schulen (eine staatlich-muslimisch, eine privat-muslimisch und eine privat-katholisch) haben gezeigt, dass religiöse Erklärungsmuster hier jedoch viel zu kurz greifen und keineswegs die Mehrheit repräsentieren. Obwohl vereinzelt die Meinung auftaucht, als Moslem "müsse" man Juden hassen, wird von vielen anderen versichert, dass der Koran keinesfalls Judenhass vorschreibe. Was aber sind dann die Gründe für diesen vielfach zu beobachtenden und (nicht nur) aus deutscher Sicht höchst problematischen "Nazi-Trend"?


Fußnoten

1.
Dieser Artikel beruht zu großen Teilen auf den empirischen Ergebnissen meiner Magisterarbeit sowie meinem Artikel "Neonazismus in Indonesien - Über die Wahrnehmung der deutschen NS-Zeit an indonesischen Schulen", erschienen in: Südostasien, (2011) 3. Die empirischen Daten basieren auf mehreren Feldaufenthalten in den Jahren 2006, 2008 und 2011 in Yogyakarta, Indonesien.

 

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