In einem Labor der Gewebebank des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums Adipositaserkranungen (IFL) an der Universität Leipzig beobachtet Tierpflegerin Eva Böge eine adipöse Maus mit einem Gewicht von 52 Gramm (l) und eine normale Maus mit 20 Gramm, aufgenommen am 06.01.2012. Die Labormäuse gehören zu einem großen Forschungsprogramm der Wissenschaftler am IFL, die hier unter anderem auch auf der Suche nach der ultimativen Schlankheitspille ohne Nebenwirkungen sind. Helfen sollen dabei Untersuchungen des Fettgewebes von adipösen Patienten und bei Tieren. In einer bundesweiten Gewebebank, die gegenwärtig weiter ausgebaut wird, lagert bereits Material von rund 800 Patienten. Foto: Waltraud Grubitzsch dpa/lsn (zu dpa-Korr vom 08.01.2012)

14.2.2012 | Von:
Hilal Sezgin

Dürfen wir Tiere für unsere Zwecke nutzen? - Essay

Tiere müssen moralisch berücksichtigt werden, insofern sie Empfindungen und ein individuelles Wohl besitzen. In Notsituationen dürfen wir uns gegen sie zur Wehr setzen, wir müssen sie auch nicht lieben, aber regulär nutzen dürfen wir sie nicht.

Einleitung

Wer nach Dürfen und Sollen fragt, bewegt sich im Bereich der Moral. Und das wird für alle folgenden Überlegungen auch vorausgesetzt: dass es Moral zwischen Menschen gibt. Wir versuchen, andere Menschen nicht zu schädigen, wir achten ihr Eigentum, ihre körperliche Unversehrtheit; dürfen sie nicht töten, nicht ohne Not schlagen etc. Bei Tieren scheint all das hingegen völlig in Ordnung zu sein: Wir sperren sie ein, fügen ihnen Schmerzen zu, nehmen ihnen ihren Nachwuchs weg, töten sie, ohne dass sie uns angegriffen hätten. Warum? Ist das in Ordnung?

Dass Menschen schon immer Tiere für ihre Zwecke eingesetzt hätten, kann dabei wohl kaum ein Argument sein. Menschen haben immer Kriege geführt, hielten menschliche Sklaven. Doch Gesellschaften entwickeln sich weiter, unsere Moral entwickelt sich ebenfalls weiter, und immer deutlicher tut sich ein Zwiespalt vor uns auf: Wir haben heute mehr Möglichkeiten denn je, Tiere nach unserem Gutdünken zu manipulieren und zu benutzen. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) beschleicht viele die Ahnung, dass die Unterordnung der Tiere unter den Menschen, die so lange Zeit selbstverständlich schien, auf den moralischen Prüfstein der Tierethik gehört.

Obwohl einige Denker von der Antike übers Mittelalter bis in die Neuzeit Mitgefühl für Tiere proklamiert haben, ist "Tierethik" unter dieser Bezeichnung eine zeitgenössische Debatte. Sie entstand zunächst im Kontext der englischsprachigen Philosophie in den 1970er Jahren. Selbstverständlich kann sie hier nicht annähernd vollständig abgebildet werden; vielmehr will ich Argumente und Situationen herausgreifen und zuspitzen, die uns im Alltag besonders oft begegnen, beginnend bei der Nutzung von Tieren zu Nahrungszwecken und bei dem Hinweis auf die menschliche "Natur", mit der der Fleischverzehr oft begründet wird.