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ILLUSTRATION - Ein Schattenriss ist am Donnerstag (26.04.2012) in Düsseldorf beim Start des so genannten Wahl-O-Mat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auf einer Projektion mit der Startseite des Programmes zu sehen. Am Donnerstag (26.04.2012) wird in Nordrhein-Westfalen der Wal-O-Mat Online gestellt. Foto: Federico Gambarini dpa/lnw
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Schlagworte
Automat , Wahl-O-Mat , Wahlen , Programm , Monitor , Computer , Schriftzug , Bildschirm , Landtag , Landtagswahl , Politik
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Überschrift 
Wahl-O-Mat wird freig...  
Personen
 
Kontinent
-
Land
Deutschland  
Provinz
Nordrhein-Westfalen
Ort
Düsseldorf
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-
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picture alliance / dpa
Notiz zur Verwendung
(c) dpa
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Menschen und Maschinen. Wenn Unterschiede unsichtbar werden - Essay


6.2.2012
Angesichts immer leistungsfähigerer Rechner wird der Unterschied zwischen menschlicher und Maschinenintelligenz unbeobachtbar. Der Computer muss also nicht menschengleich werden. Es reicht, wenn er uns so erscheint.

Einleitung



Seit sechs Jahren veröffentlicht das IT-Unternehmen IBM zum Jahresende eine Vorhersage über die fünf wesentlichen Technologietrends. In der jüngsten Vorhersage vom Dezember 2011 lautet Trend Nr. 3: "Gedankenlesen ist nicht länger Science Fiction."[1] In einem kurzen Video wird erläutert, wie das Unternehmen daran forscht, das menschliche Gehirn mit technischen Geräten wie dem Computer oder dem Smartphone zu verbinden, so dass der Mensch keine Tasten mehr drücken muss, um einen Befehl in den Computer einzugeben oder einen anderen Menschen zu kontaktieren. "Du musst nur daran denken, jemanden anzurufen, und schon passiert es."

Wenn diese Prognose zutrifft, dann werden Maschinen künftig durch Gedanken gesteuert, und es entfallen immer mehr Schnittstellen zwischen Mensch und Computer. Ebenso denkbar ist die Möglichkeit, miniaturisierte Maschinen direkt in den menschlichen Körper zu implantieren. Das amerikanische Unternehmen Applied Digital Solutions hat längst einen implantierbaren "Verichip" auf Basis der auf Radiofrequenztechnik aufsetzenden RFID-Technologie (Radio Frequency Identification Technology) entwickelt. Der Chip kann zum Beispiel in Herzschrittmachern eingebaut werden, um per Ferndiagnose zu überwachen, ob der Träger des Schrittmachers in Ohnmacht gefallen ist. Leicht lässt sich ein solcher Chip auch mit GPS-Technologie erweitern, also mit der Möglichkeit versehen, jederzeit den Aufenthaltsort und den Bewegungsradius eines Menschen oder eines Tieres nachzuvollziehen. Wir können also zukünftig nicht nur unsere Brille kontaktieren, um zu fragen "Wo steckst du bloß wieder?, und die Brille antwortet unmittelbar mit den detailgenauen Angaben ihres aktuellen Aufenthaltsorts. Wir könnten auch Haustiere, Kinder oder Partner mit Hilfe dieser Chiptechnologie in die ferngesteuerte Sicherungsverwahrung nehmen - eine Vision, die unter dem Begriff barcoding humans (Menschen mit einem Barcode versehen) bereits harsche Kritik hervorgerufen hat.[2]

Seit Jahren forschen Wissenschaftler auch an der erweiterten Nutzung von Computer-Hirn-Schnittstellen, über die beispielsweise gelähmte Menschen dem Computer Befehle geben können. Die Verbindung von Mensch und Maschine erfolgt dabei über am Kopf angebrachte oder ins Gehirn implantierte Elektroden, die spezifische, einzelnen Körperbewegungen zugeordnete Signalmuster entschlüsseln und in Computersprache umsetzen. So lassen sich Computer oder auch künstliche Gliedmaßen allein per Gedanken steuern.[3] Bislang konzentrierte sich diese Forschung auf die medizinischen Anwendungen, aber auch die Spieleindustrie arbeitet längst an gedankengesteuerten Computerspielen. Die Möglichkeit, unsere Gedanken durch Computer auslesen zu lassen oder, umgekehrt, die Maschine durch Gedanken zu steuern, ist nun der weitreichendste Entwurf einer umfassenden Vernetzung und Verbindung des menschlichen Lebensalltags mit dem Internet. Der Mensch wird vollständig analysierbar und berechenbar, also vorhersagbar. Das kann das Leben in vielen alltäglichen Routinen erleichtern. Aber: Wer hat zukünftig die Kontrolle über diese Berechnungen und Steuerungen? Sind es noch die Individuen, denen die ausgelesenen und zur Steuerung weiterer Prozesse genutzten Gedanken in ihrer Entstehung zugeordnet werden können, oder haben auch andere Menschen oder Organisationen Zugriff darauf, die unsere Daten zu eigenen Zwecken nutzen? Durch den Prozess des Zusammenwachsens von Mensch und Maschine verändern sich wesentliche Parameter menschlichen Lebens und menschlicher Existenz. Er ermöglicht (1) die umfassende Personalisierung der Information, (2) die grenzenlose Veröffentlichung individueller menschlicher Existenz sowie (3) den Entwurf des Menschen als Hybridwesen aus Technik und Geist, Maschine und Körper, der bekannte, unser Leben prägende Unterscheidungen infrage stellt.


Fußnoten

1.
IBM, the IBM 5 in 5, 19.12.2011, online: http://asmarterplanet.com/blog/2011/12/the-next-5-in-5-our-forecast-of-five-innovations-that-will-alter-the-landscape-within-five-years.html (2.1.2012).
2.
Angela Swafford, Barcoding humans: The era of implanting people with identity chips is up on us, in: The Boston Globe vom 20.5.2003, online: www.prisonplanet.com/barcoding_humans.html (2.1.2012).
3.
Vgl. Markus Becker, Der heiße Draht zum Hirn, 26.11.2009, online: www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/
0,1518,663300,00.html (2.1.2012).