30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
An der Klagemauer wird am 29.11.2010 in Jerusalem (Israel) gebetet. Seit 1967 befindet sich die Klagemauer in Jerusalem unter israelischer Kontrolle. Die einst von König Herodes vor mehr als zweitausend Jahren errichtete westliche Stützmauer am Tempelberg ist heute für viele Israeli ein Symbol nationaler Erfüllung oder religiöser Erlösung. Foto: Rainer Jensen

22.4.2013 | Von:
Prof. Dr. Rainer Eckert

Begegnungen

Die Begegnungen mit den Israelis haben gezeigt, dass der Gedanke der deutschen Schuld zwar immer präsent ist. Gleichzeitig aber wurde auch der hoffnungsvollen Blick in die gemeinsame Zukunft zugelassen.

Rainer Eckert an der israelisch-libanesischen GrenzeRainer Eckert an der israelisch-libanesischen Grenze (© Rainer Eckert)
Das Leben in der DDR bedeutete für mich auch immer die Sehnsucht, in fremde Länder reisen zu können. Da ich lange Zeit die DDR grundsätzlich nicht verlassen konnte und später dann nur Richtung Osten in einige Staaten des Moskauer Imperiums, war selbst ein Aufenthalt in West-Berlin oder in der Bundesrepublik ein scheinbar unerfüllbarer Traum. Eine Reise in ein Land wie Israel lag jenseits von all dem, was auch beim Erreichen des Rentenalters möglich sein könnte. Das war umso bitterer, da wir uns als Mitglieder der protestantischen Jungen Gemeinde bzw. später der Studentengemeinde immer der deutschen Schuld an Auschwitz und am Holocaust bewusst waren und schwer daran trugen. Umso größer war unser Interesse an, ja unsere Begeisterung für Israel.

Und dann war es nach friedlicher Revolution und deutscher Wiedervereinigung möglich zu reisen. Inzwischen bin ich in der ganzen Welt herumgekommen und war zweimal auch mit der Bundeszentrale für politische Bildung in Israel. Diese Reisen gehören zu denen, die mich am tiefsten beeindruckt, ja geprägt haben. Dabei kommt vieles zusammen. Am wichtigsten waren aber die Begegnungen mit Israelis der unterschiedlichsten Berufe, Einstellungen und Altersgruppen, die mir deren Hoffnungen, Ängste und ihr reales Leben erschlossen. Dabei war mir der Gedanke an die deutsche Schuld immer präsent, trotzdem hatte ich ein Gefühl einer gemeinsamen Zukunft mit unseren Gesprächspartnern. Unvergesslich sind auch die Gespräche mit vielen Palästinensern, der Besuch der heiligen Stätten der großen monotheistischen Weltreligionen und die einmaligen Eindrücke der so vielfältigen Natur des kleinen Landes. All diese Erfahrungen und Eindrücke nutzte ich immer wieder für meine Arbeit in Leipzig, für den Unterricht an der Universität und für Veranstaltungen im Zeitgeschichtlichen Forum. Das wird auch künftig so sein und ich werde auch wieder nach Israel fahren, wobei mir besonders Probleme der deutschen und der israelischen Erinnerungskultur am Herzen liegen. Und noch etwas anderes wird bleiben: das ist meine tiefe Überzeugung, dass die Solidarität mit Israel zum Kernbestand deutscher Politik zählt.


Blog zur Israel-Studienreise

Im Blog berichtet die Journalistin Katarzyna Weintraub von der Israel- Studienreise "Zachor - Jüdische Erinnerungskultur der Gegenwart". Die Studienreisen der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb ermöglichen den Teilnehmenden einen authentischen und persönlichen Einblick in die politische und gesellschaftliche Situation der Reiseländer.

Mehr lesen auf bpb-studienreisen.blogspot.de

Wer kann sich auf die Israel-Studienreisen der bpb bewerben? Welche Kriterien gibt es bei der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber? Wie erfolgt das Bewerbungs- und Einladungsverfahren? Die Antwort auf diese und weitere Fragen finden Sie hier. (PDF-Version: 66 KB)

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Seit 1963 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erfolgreich ihr Studienreisen-Programm nach Israel. Die Studienreisen sind ein Kernelement in der historisch-politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der deutsch-jüdischen Geschichte und dem Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland.

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