An der Klagemauer wird am 29.11.2010 in Jerusalem (Israel) gebetet. Seit 1967 befindet sich die Klagemauer in Jerusalem unter israelischer Kontrolle. Die einst von König Herodes vor mehr als zweitausend Jahren errichtete westliche Stützmauer am Tempelberg ist heute für viele Israeli ein Symbol nationaler Erfüllung oder religiöser Erlösung. Foto: Rainer Jensen

22.4.2013 | Von:
Volker Agüeras Gäng

Der Nahostkonflikt war stets präsent

Die Reise nach Israel hat zu einem besseren Verständnis der palästinensischen wie israelischen Seite beigetragen. „Die Gespräche mit Einheimischen wie auch mit anderen Studienreise-Teilnehmern haben ein sehr differenziertes Bild Israels entstehen lassen.“

Volker A. Gäng vor dem Felsendom in JerusalemVolker A. Gäng vor dem Felsendom in Jerusalem (© Volker Agüeras Gäng)
Ich glaube, dass die Israel-Studienreisen der bpb hervorragend dazu geeignet sind, ein differenziertes Israel-Bild in Deutschland zu vermitteln. Zwangsläufig war der Nahostkonflikt stets präsent. Für mich wurde zunächst deutlich, dass von Seiten israelischer Partner der Versuch unternommen wurde, den Nahostkonflikt relativ einseitig aus israelischer Sicht an die Studienreise-Teilnehmer heranzutragen. Durch die Besuche in Ramallah und Nazareth konnte dieser Eindruck jedoch gut relativiert werden. Die zahlreichen Gespräche mit Einheimischen wie auch mit anderen Studienreise-Teilnehmern haben ein sehr differenziertes Bild Israels entstehen lassen. Letztlich waren – bis auf wenige Ausnahmen (z.B. der Besuch in einer jüdischen Siedlung in Ost-Jerusalem) – alle Argumente von israelischer wie palästinensischer Seite nachvollziehbar, was allerdings dazu geführt hat, dass die Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung des Nahostkonflikts verschwindend gering bleibt. Bei allem Verständnis für palästinensische Belange und bei aller Kritik am israelischen Siedlungsprogramm und Israels Verhalten gegenüber Bürgern palästinensischer Herkunft bleibt, dass Israel sich der uneingeschränkten Solidarität aller sicher sein muss in Bezug auf seine territoriale Integrität und Sicherheit.

Das Leben in Israel – insbesondere in Tel Aviv – machte auf mich einen vitalen, jungen, frischen Eindruck. Das Leben in dieser Stadt ist erfrischend und inspirierend. Jerusalem ist eine Offenbarung. Eine Stadt voller Fotomotive... voller Gerüche… voller Farben. Man muss vor Sonnenaufgang in die Altstadt gehen, sich einen Platz mit guter Sicht auf das Treiben in den Gassen suchen und Augen, Nase, Ohren öffnen. Der Ruf des Muezzin erklingt, wird durchmischt vom Klang der Glocken christlicher Kirchen und den Schritten von Füßen der Orthodoxen auf dem Weg zur Klagemauer, während langsam die Sonne hinter der Kuppel der al-Aqsa-Moschee aufgeht. Es riecht nach alten Steinen, nach Falafel und nach vielen Menschen auf engem Raum. Dieser Moment am Morgen lässt einen vergessen, dass die umeinanderher laufenden Ethnien und Religionsangehörigen miteinander im jahrhundertealten Streit liegen. Eines ist gewiss. Dies wird nicht mein letzter Besuch in Israel gewesen sein. Und meine Pension würde ich am liebsten in einem befriedeten Israel am See Genezareth verprassen. Man darf ja auch einmal zu träumen wagen….


Blog zur Israel-Studienreise

Im Blog berichtet die Journalistin Katarzyna Weintraub von der Israel- Studienreise "Zachor - Jüdische Erinnerungskultur der Gegenwart". Die Studienreisen der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb ermöglichen den Teilnehmenden einen authentischen und persönlichen Einblick in die politische und gesellschaftliche Situation der Reiseländer.

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Wer kann sich auf die Israel-Studienreisen der bpb bewerben? Welche Kriterien gibt es bei der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber? Wie erfolgt das Bewerbungs- und Einladungsverfahren? Die Antwort auf diese und weitere Fragen finden Sie hier. (PDF-Version: 66 KB)

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Seit 1963 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erfolgreich ihr Studienreisen-Programm nach Israel. Die Studienreisen sind ein Kernelement in der historisch-politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der deutsch-jüdischen Geschichte und dem Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland.

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