An der Klagemauer wird am 29.11.2010 in Jerusalem (Israel) gebetet. Seit 1967 befindet sich die Klagemauer in Jerusalem unter israelischer Kontrolle. Die einst von König Herodes vor mehr als zweitausend Jahren errichtete westliche Stützmauer am Tempelberg ist heute für viele Israeli ein Symbol nationaler Erfüllung oder religiöser Erlösung. Foto: Rainer Jensen

24.4.2013 | Von:
Svea Hermann

Mehr Fragen als Antworten

Durch die Reise nach Israel haben wir viele Menschen und ihre beeindruckenden Geschichten kennengelernt, aber auch die scheinbar unlösbaren Gegensätze zwischen Israel und Palästina.

Israel Studienreise: Kinderbunker im Kibbutz Lavi, bemalt mit dem Sesamstraßenhelden GrobiKinderbunker im Kibbutz Lavi (© Svea Herrmann)

Die Reise mit der bpb nach Israel zum Thema Zachor/Erinnerung im Jahr 2011 war für mich eins der beeindruckendsten Erlebnisse der letzten Jahre. Wir haben ein Land kennengelernt, in dem Erinnerung allgegenwärtig ist, in Mahnmalen, Plakette, Gedenkstätten und -tagen, in persönlichen Geschichten ebenso wie im gesellschaftlichen Leben. Besonders beeindruckt haben mich die vielen Menschen und ihre Geschichten: die Autorin Lizzie Doron, Tochter einer Shoah-Überlebenden, deren Geschichte mir die Sprache verschlagen hat; der Autor Etgar Keret, der erzählte, dass er als Kind nie geweint hat, weil er dachte, seine Eltern haben viel Schlimmeres erlebt und er hätte kein Recht zu weinen. Im Kibbutz Lavi haben wir Henry Stern getroffen, der vor vielen Jahrzehnten mit der Kinder-Alija nach Israel gekommen ist und nichts als Steine und Sand vorgefunden hat. Heute ist er von riesigen, wunderschönen Rosenfeldern umgeben – und doch erinnert der mit einem Bild des Sesamstraßenhelden Grobi geschmückte Kinderbunker des Kibbutz an die stetige Bedrohung. Wir haben die Gedenktage erlebt: die Sirene zum Yom Ha Shoa und der Stillstand des ganzen Landes für ein paar Minuten zum Gedenken an die Opfer der Shoah und kurz darauf der Unabhängigkeitstag mit hunderten Fahnen, Musik, Tanz und viel Alkohol. Und auch die zerrissene Seite und die scheinbar unlösbaren Gegensätze Israels und Palästinas haben wir gesehen: In der Bar Ilan Universität eine Karte der Region, die keine palästinensischen Gebiete aufweist und die Siedlung Efrat, in die wir mit einem gepanzerten Bus fahren mussten und deren Sprecher von sich als Friedensaktivist gesprochen hat. In Ramallah dann die palästinensischen Jugendlichen, Enkel von Flüchtlingen, die immer noch den Schlüssel zum Haus ihrer Großeltern bei sich tragen und für die es eine moralische Verpflichtung ist, für den Rest ihres Lebens die Rückkehr zu fordern. Und doch waren da auch die Annäherungsversuche zwischen arabischen und jüdischen Jugendlichen in Givat Haviva, die ein Fünkchen Hoffnung geweckt haben. So hat diese Reise vor allem eins erreicht: Sie hat mit eindeutigen Erklärungen und erst recht eindeutigen Lösungen aufgeräumt. Danke an die bpb und an unsere „Betreuer“ für diese unglaublich tolle Reise. Ihr habt mir dieses Land nahe gebracht, gerade weil es am Ende mehr Fragen als Antworten gab..


Blog zur Israel-Studienreise

Im Blog berichtet die Journalistin Katarzyna Weintraub von der Israel- Studienreise "Zachor - Jüdische Erinnerungskultur der Gegenwart". Die Studienreisen der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb ermöglichen den Teilnehmenden einen authentischen und persönlichen Einblick in die politische und gesellschaftliche Situation der Reiseländer.

Mehr lesen auf bpb-studienreisen.blogspot.de

Wer kann sich auf die Israel-Studienreisen der bpb bewerben? Welche Kriterien gibt es bei der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber? Wie erfolgt das Bewerbungs- und Einladungsverfahren? Die Antwort auf diese und weitere Fragen finden Sie hier. (PDF-Version: 66 KB)

Mehr lesen

Seit 1963 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erfolgreich ihr Studienreisen-Programm nach Israel. Die Studienreisen sind ein Kernelement in der historisch-politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der deutsch-jüdischen Geschichte und dem Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland.

Mehr lesen