An der Klagemauer wird am 29.11.2010 in Jerusalem (Israel) gebetet. Seit 1967 befindet sich die Klagemauer in Jerusalem unter israelischer Kontrolle. Die einst von König Herodes vor mehr als zweitausend Jahren errichtete westliche Stützmauer am Tempelberg ist heute für viele Israeli ein Symbol nationaler Erfüllung oder religiöser Erlösung. Foto: Rainer Jensen

6.5.2013 | Von:
Thomas Kornek

Erinnerungen

Welchen Einfluss haben Israel-Studienreisen auf den persönlichen Werdegang? Wie bleiben die intensiven Eindrücke in Erinnerung? Und kann der Kontakt zwischen ehemaligen Mitreisenden gehalten werden? Ein Teilnehmer erinnert sich.

Der erlauchte Teilnehmerkreis im Herbst 1999 war in seiner Zusammensetzung so bunt, dass allein dies schon vor Antritt der Reise ein Gewinn war. Mitarbeitern des DBT, Multiplikatoren der PB, Journalisten. Ein sehr aktiver Teil dieser Reisegruppe trifft sich privat bis heute mindestens jährlich an verschiedenen Orten der Bundesrepublik. Zum harten Kern zählen nach 15 Jahren immerhin knapp 20 Teilnehmer.

Auch dies sind neben den Bildungseffekten angenehme Spätfolgen der Bildungsreisen der bpb. Was haben Lothar Kopp und sein Planungsstab mit uns 1999 unternommen? Anita Haviv und Naomi Heim führten uns in das Leben der Israelis ein. Prof. Schneider vermittelte uns das politische System des Staates Israel. Nach dem Aufenthalt in Tel Aviv, Besuch der Golan-Höhen. Erst dort lernte ich Sicherheit und Wasserversorgung der Region verstehen. Dann folgte ein nicht so ganz bequemer Teil im Kibbuz und eine haarige Auseinandersetzung mit Siedlern. Auch im Kibbuz, das sollte nicht vergessen werden zu erwähnen, feierten die Ossis mit den Wessis den 50. Jahrestag der DDR mit entsprechenden Kampfliedern.

Bevor es zum Besuch der heiligen Stätten des Christentums kam, verabschiedete sich unsere Reiseleiterin mit der Bemerkung, dass Sie mit dieser Sekte nicht im Zusammenhang gesehen werden will. Der Tag im Studienzentrum Givat Haviva war ein Höhepunkt. Dann in Richtung Totes Meer mit Zwischenstopp in Qu`mran. Die Befahrung der Bergfestung Massada entpuppte sich für mich als "Survivaltraining", weil in der Gondel 25 junge israelische Soldatinnen mit Maschinengewehr und scharfer Munition fröhlich mitfuhren. Und ich - Dozent an einer Zivildienstschule. Weiterfahrt zum Toten Meer. Die Fahrt nach Jerusalem läutete den Höhepunkt der Reise ein: Yad Vashem  - Besuch des Tempelbergs - Felsendom - Besuch in Male Adumin. Ein Studientag an der palästinensischen Universität Bir Zeit. Wenn Jerusalem, dann auch Führung und Kranzniederlegung in Yad Vashem, wobei ich die Ehre hatte, im Namen unserer Reisegruppe den Kranz niederzulegen. Das hinterlässt lebenslang Spuren, ebenso wie der abendliche Besuch an der Klagemauer. 

Noch heute zehre ich von den Kenntnissen und Erfahrungen aus dieser Reise. So manche Unterrichtsstunde wäre ohne dieses Hintergrundwissen langweilig und wenig authentisch verlaufen. Dank den Verantwortlichen der bpb.


Blog zur Israel-Studienreise

Im Blog berichtet die Journalistin Katarzyna Weintraub von der Israel- Studienreise "Zachor - Jüdische Erinnerungskultur der Gegenwart". Die Studienreisen der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb ermöglichen den Teilnehmenden einen authentischen und persönlichen Einblick in die politische und gesellschaftliche Situation der Reiseländer.

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Wer kann sich auf die Israel-Studienreisen der bpb bewerben? Welche Kriterien gibt es bei der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber? Wie erfolgt das Bewerbungs- und Einladungsverfahren? Die Antwort auf diese und weitere Fragen finden Sie hier. (PDF-Version: 66 KB)

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Seit 1963 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erfolgreich ihr Studienreisen-Programm nach Israel. Die Studienreisen sind ein Kernelement in der historisch-politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der deutsch-jüdischen Geschichte und dem Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland.

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