An der Klagemauer wird am 29.11.2010 in Jerusalem (Israel) gebetet. Seit 1967 befindet sich die Klagemauer in Jerusalem unter israelischer Kontrolle. Die einst von König Herodes vor mehr als zweitausend Jahren errichtete westliche Stützmauer am Tempelberg ist heute für viele Israeli ein Symbol nationaler Erfüllung oder religiöser Erlösung. Foto: Rainer Jensen

16.5.2013 | Von:
Prof. Dr. Berthold Meyer

"Wir würden mit 1.000 Fragen nach Israel reisen und mit 5.000 Fragen zurückkehren."

Ich habe vom 29.04. bis 13.05.2000 an der ersten Israel-Reise der Bundeszentrale teilgenommen, die sich vornehmlich mit sicherheitspolitischen Fragen befasste. Beim Vorbereitungsseminar meinte der Nahostreferent der Bundeszentrale Heinrich Barthel, wir würden mit 1.000 Fragen nach Israel reisen und mit 5.000 Fragen zurückkehren. Diese Prognose traf vollkommen zu.

Die Reise war perfekt durchgeplant: Zum einen erhielten wir reichlich Informationen über die israelische Gesellschaft und ihr politisches System, zum anderen konnten wir uns aus verschiedenen Perspektiven und an allen relevanten Hot-spots von Rafah im Gazastreifen über die Golan-Höhen bis nach Metula an der libanesischen Grenze ein umfassendes Bild über die sicherheitspolitische Lage des Landes und die Konflikte mit den Palästinensern, mit Syrien und dem Libanon machen.

Wir erlebten eine äußerst diskussionsfreudige jüdisch-israelische Gesellschaft mit höchst unterschiedlichen politischen Standpunkten, hatten aber auch Gelegenheit, mit Palästinensern und Beduinen zu sprechen. Darüber hinaus bekamen wir in einer Kadettenschule in Akko mit, wie politische Bildung im israelischen Militär auch dazu dient, junge Einwanderer in die Gesellschaft zu integrieren.

Zwei Erlebnisse bleiben mir unvergessen: Das eine ist der Blick vom Vista Peace auf dem Golan-Hochplateau auf den See Genezareth und die dahinter liegende Stadt Tiberias, der deutlich machte, dass Israel es nicht zulassen wird, dass hier jemals wieder syrische Artillerie die Möglichkeit haben könnte, diese Stadt und andere Orte am Seeufer zu beschießen. Das andere waren die von Hass auf die Palästinenser geprägten Worte einer aus den USA stammenden Gemeindevorsteherin in der Siedlung Gush Etzion und zwei Stunden später die von einem ähnlichen Hass auf die Israelis durchzogene Freitagspredigt eines Imam in der Moschee gegenüber der Geburtskirche in Bethlehem, und wiederum zwei Stunden später der Beginn einer Mini-Intifada, bei der unser Bus den Steinwürfen Jugendlicher nur dadurch ausweichen konnte, dass er eine Nebenstraße auf dem Rückweg nach Jerusalem nahm.

Ich habe in meinem ganzen Leben niemals so viel innerhalb von zwei Wochen gelernt. Und die Reise hat für mich den Anstoß gegeben, mich seither noch viel intensiver mit dem Nahen Osten und seinen Konflikten zu befassen. Dafür bin ich der Bundeszentrale sehr dankbar.


Blog zur Israel-Studienreise

Im Blog berichtet die Journalistin Katarzyna Weintraub von der Israel- Studienreise "Zachor - Jüdische Erinnerungskultur der Gegenwart". Die Studienreisen der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb ermöglichen den Teilnehmenden einen authentischen und persönlichen Einblick in die politische und gesellschaftliche Situation der Reiseländer.

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Wer kann sich auf die Israel-Studienreisen der bpb bewerben? Welche Kriterien gibt es bei der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber? Wie erfolgt das Bewerbungs- und Einladungsverfahren? Die Antwort auf diese und weitere Fragen finden Sie hier. (PDF-Version: 66 KB)

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Seit 1963 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erfolgreich ihr Studienreisen-Programm nach Israel. Die Studienreisen sind ein Kernelement in der historisch-politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der deutsch-jüdischen Geschichte und dem Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland.

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