An der Klagemauer wird am 29.11.2010 in Jerusalem (Israel) gebetet. Seit 1967 befindet sich die Klagemauer in Jerusalem unter israelischer Kontrolle. Die einst von König Herodes vor mehr als zweitausend Jahren errichtete westliche Stützmauer am Tempelberg ist heute für viele Israeli ein Symbol nationaler Erfüllung oder religiöser Erlösung. Foto: Rainer Jensen

16.5.2013 | Von:
Peter Jansen

Eine doppelte Herausforderung

Nach Israel zu reisen, das war für mich eine doppelte Herausforderung. Zum ersten Mal wurde ich persönlich, direkt und unmittelbar, mit den Folgen der nationalsozialistischen Terrorherrschaft konfrontiert, traf mit Überlebenden des Holocaust zusammen und konnte mit ihren Nachkommen und Nachfolgern diskutieren.

Unvergessen bleibt mir ein Gespräch mit einem älteren Israeli, wie ich in Essen geboren und Mitte der 30-er Jahre über Schweden nach Israel emigriert. Seine Eltern hatten in der Essener Innenstadt ein Hutgeschäft, an das sich auch mein Vater zumindest dem Namen nach erinnern konnte. Eine überzeugende Antwort, was meine Eltern, die Familie und ihre Freunde in jener Zeit von den Verbrechen an den Juden gewusst haben, habe ich nie gefunden. Vor allem nach dem Gang durch Yad Vashem ging mir nicht die Frage aus dem Kopf, ob ein solcher Völkermord tatsächlich in Zukunft ein für allemal ausgeschlossen ist.

Nicht weniger aufwühlend war für mich die Konfrontation mit der Politik des Staates Israel gegenüber den Palästinensern und der arabischen Minderheit im eigenen Land. Am meisten bewegt hat mich die Äußerung einer israelischen Gesprächspartnerin, beide Seiten - Israelis wie Araber - hätten das Gespür für das Leiden der Anderen verloren. Der unerbittliche Hass, das Verweigern der Anerkennen der Realität, dass es Juden und Araber in dieser Region gibt und dass ein friedliches Zusammenleben organisiert werden muss, war und ist nach wie vor tief beunruhigend. Die Tage in Tel Aviv, Haifa, am See Genezareth, am Toten Meer und in Jerusalem waren so intensiv und spannend, dass ich zwei Jahre später noch einmal mit der bpb nach Israel gereist bin - und genau so fasziniert von Land und Leuten zurückgekehrt bin.


Blog zur Israel-Studienreise

Im Blog berichtet die Journalistin Katarzyna Weintraub von der Israel- Studienreise "Zachor - Jüdische Erinnerungskultur der Gegenwart". Die Studienreisen der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb ermöglichen den Teilnehmenden einen authentischen und persönlichen Einblick in die politische und gesellschaftliche Situation der Reiseländer.

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Wer kann sich auf die Israel-Studienreisen der bpb bewerben? Welche Kriterien gibt es bei der Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber? Wie erfolgt das Bewerbungs- und Einladungsverfahren? Die Antwort auf diese und weitere Fragen finden Sie hier. (PDF-Version: 66 KB)

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Seit 1963 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erfolgreich ihr Studienreisen-Programm nach Israel. Die Studienreisen sind ein Kernelement in der historisch-politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der deutsch-jüdischen Geschichte und dem Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland.

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