Sabine Christiansen ist seit 1983 im Journalismus tätig. Für sie ist Politik ohne mediale Vermittlung heute nicht mehr denkbar. Dem Publikum spricht die Journalistin eine hohe Medienkompetenz zu: Es suche sich seine Informationen aus den verschiedensten Medien und auch Formaten zusammen – zwischen Hintergrund und Politainment.
Als stellvertretender Chefredakteur des "Stern" und Leiter des Berliner Büros kann Hans-Ulrich Jörges als Insider der "Medienmeute" und des "embedded journalism" in Berlin täglich den Verlust der Distanz zwischen Politik und Journalismus beobachten. Wer instrumentalisiert heute wen: die Medien die Politik? Oder sind es doch die Politiker, die sich die Medien zu eigen machen?
Das Publikum sucht sich seine Themen, wählt die Medien aus und wechselt seine politische Meinung – so Dirk Baecker, Professor der Soziologie. Die Massenmedien sind für ihn ein Gradmesser der Akzeptanz von "Herrschenden" in der Öffentlichkeit: Wie kommen politische Reformen an? Ist eine Wiederwahl möglich?
1998 wurde Andrea Fischer Gesundheitsministerin, zwei Jahre später zog sie die Konsequenz aus der BSE-Krise und gab ihr Amt und zugleich die Politik auf. Sie wechselte die "Seiten" und co-moderierte den "Grünen Salon", eine politische Talkshow des Senders N-TV. Fischer fordert eine klare Grenzziehung zwischen Journalismus und Politik – eine Aufgabe für beide Seiten.
Zwischen Stehlampe und Ledersesseln moderierte Steffen Hallaschka das WDR-Politmagazin "Kanzlerbungalow" – live aus dem ehemaligen Bonner Wohnsitz des Bundeskanzlers. Der Jungjournalist Hallaschka will sein Publikum für Politik begeistern und zeigen, dass es sich lohnt Fragen zu stellen.
In dieser "medienüberdrehten Gesellschaft" hält Klaus-Peter Schmidt-Deguelle es für schwierig, seriös Politik zu vermitteln. In seinem Beruf verändert Schmidt-Deguelle nicht die politischen Inhalte, aber er drängt auf Verständlichkeit. Schlechte Inhalte lassen sich auf Dauer auch gar nicht gut verpacken.
Der Medienforscher und freie Autor Volker Grassmuck sieht die Stärke des Internets in der Verschaltung der Userinnen und User untereinander. Jeder kann zu einem "intelligenten Netzknoten" werden und mit anderen kommunizieren.
Armin Medosch ist Autor, Kurator für Neue Medien und Künstler. 1996 gehörte er zu den Mitbegründern des Online-Magazins Telepolis. Im Internet sieht er die Chance zur Selbstorganisation und politischen Teilhabe. So haben politische Aktionen zwar weiterhin ihren Platz im öffentlichen Raum, doch das Internet ist die Plattform für den Daten- und Informationsaustausch.
In London, New York oder auch in Berlin blühen drahtlose freie Bürgernetze auf. Medosch ist ein Kenner dieser internationalen Free-Network-Bewegung, gerade ist sein Buch "Freie Netze" erschienen. Zwar sind die Netzstrukturen heute weitestgehend kommerzialisiert, doch es sind die Endnutzer, die den eigentlichen Wert des Netzes herstellen – es ist ihre Kommunikation.