Denkmal für die Berliner Mauer

30.3.2010 | Von:
Ronald Gebauer

Wohnen

Lange Zeit mangelte es in Ost wie West an Wohnraum. Abwanderung, Suburbanisierung und demographischer Wandel führen heute in vielen Regionen zu einem dramatischen Bevölkerungsverlust, vor allem im Osten und altindustriell geprägten Gegenden im Westen. PDF-Icon Ronald Gebauer: Wohnen (PDF-Version: 206 KB)
Leerstand im Osten: Abriss eines Plattenbaus aus DDR-Zeiten in der Innenstadt von Dresden im Jahr 2005.Leerstand im Osten: Abriss eines Plattenbaus aus DDR-Zeiten in der Innenstadt von Dresden im Jahr 2005. (© AP)

Wohnbedingungen in Ost und West vor der Einigung

Westdeutschland: Sozialer Wohnungsbau, Zug ins Umland und neue Wohnungsnot in den StädtenNach dem zweiten Weltkrieg waren die Wohnbedingungen in beiden Teilen Deutschlands durch einen extremen Mangel an Wohnraum bestimmt. Infolge kriegsbedingter Zerstörungen und des millionenfachen Zuzugs durch Flucht und Vertreibung war die Wohnungslage in Westdeutschland besonders angespannt. Die Politik reagierte mit dem Programm des sozialen Wohnungsbaus. Daraufhin wurden in Westdeutschland in den 1950er und 1960er Jahren jährlich ca. 500.000-600.000 Wohnungen fertiggestellt. Schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich der Trend zur immer stärkeren Verlagerung des Baugeschehens aus den Kernstädten in das städtische Umland ab (Suburbanisierung). Nach 1973 gingen die Fertigstellungsraten stetig zurück. Da gleichzeitig die Mietpreisbindung in den Beständen des sozialen Wohnungsbaus Zug um Zug auslief und viele dieser Wohnungen in – erheblich teurere – Eigentumswohnungen umgewandelt wurden, kam es in den 1970er Jahren in den Großstädten zu einer neuen Wohnungsnot. Für die Wohnungspolitik bleibt es eine dauerhafte Aufgabe, zwischen den gegenläufigen Interessen einen Ausgleich zu finden, welche die Wohnung einerseits als Wirtschaftsgut und andererseits als soziales Gut ansehen. Und das besonders, wenn man einkommensschwache und sozial benachteiligte Haushalte betrachtet.

Ostdeutschland: Wohnungsmangel trotz kompakten Wohnungsbaus und vernachlässigte Altbaubestände

In Ostdeutschland besaß der Wohnungsbau in den 1950er und 1960er Jahren keine Priorität. Der Schwerpunkt der staatlichen Investitionstätigkeit lag hier zunächst in der Schaffung bzw. dem Ausbau der Grundstoff- und Schwerindustrie. Bis Anfang der 1970er Jahre wurden jährlich nie mehr als 100.000 Wohnungen errichtet, was für die Beseitigung des Wohnraummangels nicht ausreichte. So waren in der DDR zu Beginn der 1970er Jahre 600.000 Wohnungssuchende registriert. Der Wohnungsbedarf wurde für das SED-Regime zunehmend zu einem Legitimitätsproblem. Der Beschluss des SED-Parteitags von 1971, den Wohnungsmangel bis zum Jahr 1990 als soziales Problem zu lösen, leitete eine Wende ein.
Fertig gestellte Wohnungen in Ost- und Westdeutschland 1950-2004.Fertig gestellte Wohnungen in Ost- und Westdeutschland 1950-2004. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Das Volumen jährlich fertig gestellter Wohnungen pegelte sich auf über 100.000 ein. Ermöglicht wurde diese Steigerung durch die Ausweitung der industriellen Wohnungsproduktion und die Errichtung von kompakten Plattenbausiedlungen. Kennzeichnend für die DDR war hierbei, dass der Neubau von Wohnungen wie auch die Zuweisung des Wohnraums nahezu ausschließlich in staatlicher bzw. betrieblicher Regie erfolgte und auch der Altbaubestand zunehmend in staatliches Eigentum überführt wurde. Diese Entwicklung war auch in den späten 1980er Jahren noch nicht abgeschlossen. 41 Prozent aller Wohnungen befanden sich beispielsweise 1987 noch in privater Hand (24 Prozent selbstgenutzt, 17 Prozent vermietet). Diese bemerkenswert hohe Eigentumsquote stand jedoch im Kontrast zu dem fortschreitenden Zerfall der Altbausubstanz, für deren Sanierung staatlicherseits kaum Material zugewiesen wurde.

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