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Konsum


30.3.2010
Von der sozialistischen Warteschlange zur bunten kapitalistischen Warenwelt: In der DDR waren viele Produkte nicht oder kaum erhältlich. Glück hatte, wer mit Westgeld in Intershops einkaufen konnte.
Einrichtung einer "Konsum"-Verkaufsstelle im DDR-Museum in Malchow, Mecklenburg-Vorpommern, im Jahr 2009.Einrichtung einer "Konsum"-Verkaufsstelle im DDR-Museum in Malchow, Mecklenburg-Vorpommern, im Jahr 2009. (© AP)

Auch die späte DDR galt als Konsumgesellschaft, in der für den größten Teil der Bevölkerung der Gabentisch ordentlich gedeckt war - selbst wenn dies das Einreihen in oft lange Warteschlangen in den "HO"-(Handelsorganisations-) und "Konsum"-Läden sowie ein gewisses Organisationstalent erforderte. In der DDR war allerdings das Warensortiment deutlich eingeschränkt. Manche Produkte waren schwer erhältlich.

Außerdem empfanden viele DDR-Bürger die Waren des täglichen Bedarfs aus DDR-Produktion oft als minderwertig gegenüber vergleichbaren Westprodukten. Laut repräsentativer soziologischer Befragungen zu den Arbeits- und Lebensbedingungen im Groß- und Einzelhandel der DDR gaben im Jahr 1978 nur 59 Prozent des Verkaufspersonals an, ihren Kunden für deren Geld "gute Ware verkaufen" zu können; 1988 waren es nur noch 33 Prozent. Bei den verantwortlichen staatlichen Organen, auch in der mächtigen Abteilung für Wirtschaft des ZK der SED, häuften sich die Eingaben empörter Bürger über Qualitätsmängel. Dies wird aus Akten ersichtlich, die heute im Bundesarchiv Berlin aufbewahrt werden.

Die Versorgungslage in der DDR stellte sich regional sehr unterschiedlich dar. So war das Angebot in Bezirksstädten besser als in ländlichen Gebieten. Ein besonderer Engpass war beispielsweise die Versorgung mit Südfrüchten. Auch die Nachfrage nach hochwertigen Fleischerzeugnissen konnte nicht immer befriedigt werden. Um die dünne Warendecke zu unterfüttern, führte die DDR nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung beispielsweise im Jahr 1983 Konsumgüter im Wert von 1,28 Milliarden Valutamark - wie die D-Mark im Osten genannt wurde - aus westlichen Industrieländern ein. Dem standen Waren im Wert von 3,84 Milliarden DM gegenüber, die die DDR im selben Jahr ins kapitalistische Ausland exportierte. Folglich waren viele Import-Produkte wie etwa Bohnenkaffee oder Ananas in Dosen vergleichsweise teuer. Grundnahrungsmittel aus eigener Produktion wie Brot oder Milch waren hingegen in der DDR ausgesprochen billig. Auch Spirituosen und Tabakwaren gab es stets in ausreichender Menge.
Jährlicher Pro-Kopf-Verbrauch ausgewählter Erzeugnisse.Jährlicher Pro-Kopf-Verbrauch ausgewählter Erzeugnisse. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Privilegiert waren jene DDR-Bürger, die in der Lage waren, mit D-Mark in den sogenannten Intershops einzukaufen. Diese Läden dienten dem Abschöpfen von Devisen, und sie hielten dafür ein breites Angebot an westlichen Waren vor, von Schokolade über Waschmittel bis zu Jeans, Farbfernsehern und Wohnungseinrichtungen.

Der Teil der DDR-Bürger, der nicht über "Westgeld" verfügte, musste mit der Befriedigung solcher Konsumbedürfnisse bis zur Währungsunion warten: Über Nacht füllten sich danach die Regale aller Verkaufseinrichtungen mit dem bunten, schier unüberschaubaren Angebot an Lebens- und Genussmitteln aus westdeutscher und internationaler Fertigung.

Seit den neunziger Jahren haben sich dann die ostdeutschen Konsummuster den westdeutschen weitestgehend angeglichen. Es gibt mittlerweile stabile gesamtdeutsche Konsumtrends; so rauchen beispielsweise alle Deutschen mittlerweile weniger und trinken auch weniger Bier.

Eine gewisse Besonderheit stellt die Neigung mancher Ostdeutscher dar, weiterhin bevorzugt Lebens- und Genussmittel aus ostdeutscher Fertigung zu konsumieren. Als Grund wird neben regionalen Geschmacksunterschieden häufig auch eine Rückbesinnung auf liebgewonnene DDR-Gewohnheiten sowie die Absicht angegeben, Arbeitsplätze in Ostdeutschland unterstützen zu wollen.


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