Zahlen und Fakten: 25 Jahre Deutsche Einheit

Infrastruktur

15.9.2015
In Deutschland steht immer mehr Wohnraum pro Person zur Verfügung; auch die ärztliche Versorgung hat sich seit den 1990er Jahren verbessert. Wie lange man aber auf einen Arzttermin warten muss, hängt weiterhin stark davon ab, ob man auf dem Land oder in der Stadt lebt.

Wohnraum und Gesundheit – bessere Versorgung, regionale Disparitäten






Was macht das Leben gut und angenehm? Welche Bedürfnisse müssen gedeckt sein, um von einer hohen Lebensqualität sprechen zu können? Darüber gibt es sehr verschiedene Auffassungen und unterschiedliche Betrachtungsweisen. Wohnraum und Gesundheit jedoch würden wohl die meisten Menschen als einem guten Leben zuträglich anerkennen. Diese Karte veranschaulicht die infrastrukturelle Entwicklung in Deutschland zwischen 1995 und 2012 anhand von Wohnfläche und ärztlicher Versorgung pro Person.

Vorneweg fällt dabei eines auf: Überall in Deutschland hat es in diesen 18 Jahren einen Zuwachs an Wohnfläche pro Person in Quadratmetern gegeben. Zwischen 1998 und 2013 stieg sie laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung von durchschnittlich 39 auf 45 Quadratmeter. Maßgeblich dafür sind die gestiegenen Ansprüche der Bewohner in Sachen Wohnungsgröße und die stetige Zunahme kleinerer Haushalte mit nur einer oder zwei Personen.[1]

Die Voraussetzungen zwischen Ost und West waren diesbezüglich nach der Wiedervereinigung sehr unterschiedlich: 1995 reichten im Osten ausschließlich Berlin und Leipzig mit durchschnittlich 35 Quadratmetern an das untere Niveau an durchschnittlicher Wohnfläche im Westen heran. Seither haben die einst neuen Bundesländer erheblich aufgeholt. Zwar sind sie im Jahr 2012 immer noch die helleren, mit durchschnittlich weniger Wohnraum pro Person ausgestatteten Flecken auf der Karte, erreichen aber fast überall Werte von nahezu 45 Quadratmetern. Dort, wo der Durchschnitt unter diesem Wert liegt – so beispielsweise in Potsdam, Dresden und Jena im Osten sowie Frankfurt am Main, München und Stuttgart im Westen – ist dies auf den großen Zuzug und den damit einhergehenden Druck auf den Wohnungsmarkt zurückzuführen. In besonders vermögensstarken Orten wie Baden-Baden und Starnberg freilich leisten sich die Einwohner trotz Preisdrucks im Schnitt auch größere Wohnungen.




Kein Ost-West-Gefälle lässt sich für 1995 bei der ärztlichen Versorgung feststellen. Stattdessen galt schon damals in der Regel: Je ländlicher das Gebiet, desto größer die Zahl der Menschen, die ein einzelner Arzt zu versorgen hat. Waren dies im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster damals knapp 1.000 Menschen, so waren es im baden-württembergischen Ostalbkreis 894. Seither hat sich die Versorgung in Deutschland insgesamt verbessert, das Stadt-Land-Gefälle ist jedoch geblieben. Während sich in den an ihrer dunklen Schattierung leicht zu identifizierenden, gut versorgten Städten weiterhin viele Ärzte niederlassen, ist der ländliche Raum für sie ein weniger attraktiver Arbeitsort. Die flächenmäßig großen Landkreise im Osten fallen dabei logischerweise mehr ins Auge, die Versorgung ist aber etwa in der Südwestpfalz, dem Unterallgäu oder dem nördlichen Teil des Freistaates Bayern (Beispiel: Landkreis Bayreuth) mitunter noch dünner.[2]

Blickt man im Übrigen auf die Erreichbarkeit von Supermärkten und Discountern, so haben es Bürger in den großen, dünn besiedelten Flächenländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern am weitesten zur nächsten Einkaufsmöglichkeit. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen in etwa auf dem Niveau von Schleswig-Holstein, Niedersachen oder Rheinland-Pfalz.[3]


Fußnoten

1.
http://www.bib-demografie.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Download/Grafik_des_Monats/2013_07_pro_kopf_wohnflaeche.pdf?__blob=publicationFile&v=3
2.
Vgl. auch http://www.bundesaerztekammer.de/ueber-uns/aerztestatistik/aerztestatistik-der-vorjahre/aerztestatistik-2013/ und http://www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/ambulante-versorgung/aerztliche-versorgung.html
3.
http://literatur.ti.bund.de/digbib_extern/bitv/dn053577.pdf (Seite 44)

 

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