Glasnost von unten - Drang nach Pressefreiheit
Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk
30.9.2005
Gegen Zensur: Oppositonelle stellen den staatlichen Medien eine alternative Öffentlichkeit gegenüber.Das Resultat war eine große Eintönigkeit und Langeweile. Von freien Diskussionen, in denen das Argument und nicht die Machtposition entscheidend war, konnte keine Rede sein. Die Angst vor unkontrolliert Gedrucktem oder Gesprochenem war bei den Funktionären in der DDR groß. Bücher und Zeitungen, Radio- und Fernsehbeiträge, Filme und Hörspiele, alles was irgendwie öffentlich verbreitet wurde, musste von einer streng hierarchischen und nicht einfach zu durchschauenden Zensur genehmigt werden. Offiziell hieß das in der DDR "Genehmigungsverfahren".
Trotz dieser Zensur konnten die Machthaber es nicht verhindern, dass auch in der DDR viele "ungenehmigte" Informationen frei zugänglich waren und sich viele Menschen eine eigene Meinung bildeten, die nicht der vorgegebenen entsprach. Allabendlich reiste die DDR-Bevölkerung aus, indem sie ihre Privaträume schloss und den Westfernsehsender oder das Westradio anmachte und in eine verheißungsvolle, aber nicht direkt zugängliche Welt abtauchte.
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Glasnost, die neue Offenheit in der sowjetischen Presse, bringt in der DDR keine Pressefreiheit. KONTRASTE zeigt Oppositionelle, die den staatlichen Medien eine alternative Öffentlichkeit gegenüberstellen.Anfang der 1960er Jahre kamen einige noch für das Schauen von Westprogrammen ins Gefängnis und stürmische FDJ-Trupps stiegen auf die Dächer, um die TV-Antennen so zu verdrehen, dass kein Westempfang mehr möglich war. Anfang der 1970er Jahre mußte Erich Honecker öffentlich einräumen, dass jeder theoretisch Westfernsehen schauen könne. Im "Tal der Ahnungslosen" im Südosten der DDR konnte man davon nur träumen. Denn hier war man zu weit entfernt, um Westfernsehen zu empfangen.
Ganz anders sah es bei den Printmedien aus. Westliche Tageszeitungen und Wochenjournale waren nur wenigen Funktionären und einigen Wissenschaftlern zugänglich. Aber die Kirchen hatten Zugang zu westlichen Zeitungen. Sie waren daneben auch die einzigen, die für die Gemeindearbeit ohne Zensur kleinere Publikationen in geringer Auflage herstellen konnten. Die materiellen Möglichkeiten dafür kamen aus der Bundesrepublik, weil Papier, Kopierer und Druckmaschinen in der DDR kaum aufzutreiben waren.
Diese Lücke machten sich in den 1980er Jahren auch viele Oppositionsgruppen zunutze, die ohnehin oft unter dem schützenden Dach der Kirchen arbeiteten. Oppositionelle stellten eigene Informationsblätter und Diskussionspublikationen her und vertrieben sie. Einige wenige, wie die "radix-blätter" oder der "Grenzfall", kamen sogar ohne "Kirchendach" heraus. Diese Schriften, "Samisdat" (russ. "Selbstverlag"), verliehen der Opposition eine hörbare Stimme und trugen zur Sammlung und zur Selbstverständigung der Opposition entscheidend bei.
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