Fahnenschwenker vor dem Brandenburger Tor am 17. Juni 1953.

17.5.2013 | Von:
Edda Ahrberg
Tobias Hollitzer
Hans-Hermann Hertle

Die Toten des Volksaufstandes
vom 17. Juni 1953

Mehr als fünf Jahrzehnte blieben die Toten des Volksaufstandes weitgehend unbekannt. Erst seit 2004 sind ihre Biografien und die Umstände, unter denen sie ums Leben kamen, dokumentiert. Eine Dokumentation.

Getötete des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 werden vor dem Schöneberger Rathaus aufgebahrt.Getötete des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 werden vor dem Schöneberger Rathaus aufgebahrt. (© AdsD der FES)

Über viele Jahrzehnte waren viele Todesopfer des Volksaufstandes namenlos. Ihre Lebensgeschichten blieben der Öffentlichkeit ebenso verborgen wie die Umstände, unter denen sie ums Leben kamen. Selbst zuverlässige Angaben über die Anzahl der Todesopfer fehlten. Den Rechercheergebnissen einer Forschergruppe unter Leitung von Edda Ahrberg, Hans-Hermann Hertle und Tobias Hollitzer aus dem Jahr 2004 zufolge sind 55 Todesopfer durch Quellen belegt, unter ihnen vier Frauen:

  • 34 Demonstranten, Passanten und Zuschauer wurden am 17. Juni und den Tagen danach (bis zum 23. Juni) von Volkspolizisten und sowjetischen Soldaten erschossen bzw. starben an den Folgen der ihnen zugefügten Schussverletzungen
  • fünf Männer wurden von Instanzen der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland zum Tode verurteilt und hingerichtet
  • zwei Todesurteile wurden von DDR-Gerichten verhängt und vollstreckt
  • vier Personen starben in Folge menschenunwürdiger Haftbedingungen
  • vier in Zusammenhang mit dem Juni-Aufstand Festgenommene begingen in der (Untersuchungs-)Haft Selbstmord, wobei zumindest in zwei Fällen Fremdeinwirkung nicht auszuschließen ist
  • ein Demonstrant verstarb beim Sturm auf ein Volkspolizei-Revier an Herzversagen
  • fünf Angehörige der DDR-Sicherheitsorgane wurden getötet: zwei Volkspolizisten und ein MfS-Mitarbeiter bei der Verteidigung eines Gefängnisses von Unbekannten erschossen, ein Mitarbeiter des Betriebsschutzes von einer wütenden Menge erschlagen und ein weiterer Volkspolizist versehentlich von sowjetischen Soldaten erschossen
Von 25 weiteren, vermeintlichen und ungeklärten Todesfällen ist bei sieben Personen belegt, dass sie nicht im Zusammenhang mit dem Volksaufstand ums Leben kamen. Wegen angeblicher Befehlsverweigerung sollen in Berlin und Biederitz bei Magdeburg angeblich 41 sowjetischen Soldaten erschossen worden sein. Dazu konnten bisher keine gesicherten Hinweise gefunden werden. Dem aktuellen Forschungsstand zufolge handelt es sich um eine Legende des Kalten Krieges.


Berlin

Horst Bernhagen - 21 JahreHorst Bernhagen - 21 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)
Edgar Krawetzke - 20 JahreEdgar Krawetzke - 20 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)

Rudi Schwander - 14 JahreRudi Schwander - 14 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)
Werner Sendsitzky - 16 JahreWerner Sendsitzky - 16 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)

Gerhard Schulze - 41 JahreGerhard Schulze - 41 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)
Gerhard Santura - 19 JahreGerhard Santura - 19 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)

Oskar Pohl - 25 JahreOskar Pohl - 25 Jahre (© Zentrum für Zeithistorische Forschungen e.V.)
Erich Nast - 40 JahreErich Nast - 40 Jahre (© Polizeihistorische Sammlung/Der Polizeipräsident in Berlin)

Rudolf Berger - 40 JahreRudolf Berger - 40 Jahre (© Privatarchiv Berger)





Hans Rudeck - 52 JahreHans Rudeck - 52 Jahre (© Polizeihistorische Sammlung/Der Polizeipräsident in Berlin)

Richard Kugler - 16 JahreRichard Kugler - 25 Jahre (© Berliner Morgenpost, 26.6.1953)
Kurt Heinrich - 44 JahreKurt Heinrich - 44 Jahre (© Der Kurier, 26.6.1953)

Wolfgang Röhling - 15 JahreWolfgang Röhling - 15 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)
Willi Göttling - 35 JahreWilli Göttling - 35 Jahre (© Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)


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