Erste Tagung des Parlamentarischen rates in Bonn.

1.9.2008 | Von:
Prof. Dr. Erhard H.M. Lange

Hugo Paul (KPD)

Im Parlamentarischen Rat

Foto: Haus der Geschichte / Bestand Erna Wagner-HehmkeFoto: Haus der Geschichte / Bestand Erna Wagner-Hehmke
Im Sommer 1948 wird Hugo Paul vom Nordrhein-
Westfälischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt. Er legt in der ersten Oktoberhälfte aus innerparteilichen Gründen sein Mandat nieder. Er gehört dem Geschäftsordnungs-
ausschuss und dem Ausschuss für das Besatzungsstatut an.

Im Plenum kritisiert er scharf die Bildung eines westdeutschen Staats als Folge eines "Diktats der Westmächte" und spricht dem Parlamentarischen Rat die Legitimation für seine Tätigkeit ab. Im Hinblick auf die Verfassungsinhalte tritt er für ein Demokratie-Modell ein, das bei Abschwächung der Gewaltenteilung dem Parlament eine zentrale Stellung einräumt. Zusätzlich fordert er die verfassungsmäßige Festlegung einer gesellschaftlichen und ökonomischen Umgestaltung des Gemeinwesens und eine Verstaatlichung der Schlüsselindustrien.

Biografie

Geboren am 28. Oktober 1905 in Hagen, gestorben am 12. Oktober 1962 in Berlin.

Vom Elternhaus geprägt, wächst Hugo Paul früh in die Arbeiterbewegung hinein. Bis 1920 Besuch der Volksschule in Hagen und Remscheid, dreijährige Lehre zum Autoschlosser bei den Mannesmann-Motorenwerken in Remscheid. Danach in verschiedenen Unternehmen tätig. 1926-1927 Wanderschaft, danach wieder in Remscheid. 1930-1932 arbeitslos. 1920 Eintritt in den Deutschen Metallarbeiter-Verband und in die Freie Sozialistische Jugend, 1922 Wechsel zum Kommunistischen Jugendverband, ab 1923 Mitgliedschaft in der KPD.

Aktive Teilnahme am Ruhrwiderstand gegen die französische und belgische Besetzung. Ab 1927 Übernahme zahlreicher Leitungsfunktionen innerhalb des Kommunistischen Jugendverbands und in der KPD. Im Spätherbst 1932 Übernahme der Leitung der KPD-Unterbezirke Gladbach-Rheydt, Krefeld, Neuss und Kleve. 1931 Vorsitzender des Einheitsverbands der Metallarbeiter für das Gebiet Niederrhein. Juli bis November 1932 Mitglied des Deutschen Reichstags.

Nach dem Verbot der Partei durch die Nationalsozialisten 1933 Untergrundtätigkeit. Juni 1933 Inhaftierung in Düsseldorf. November 1934 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Haft bis April 1939 in den Konzentrationslagern Esterwege und Sachsenhausen. Danach Beschäftigung als Werkzeugmacher in Wermelskirchen, gleichzeitig im Untergrund aktiv. Januar 1943 erneute Verhaftung und Inhaftierung bis April 1945.

Unmittelbar nach Kriegsende Wiederaufnahme der politischen Tätigkeit. 1945-1947 Leitung des KPD-Bezirks Niederrhein bzw. des Bezirks Niederrhein-Südwestfalen. Ab Sommer 1946 Mitglied der KPD-Landesleitung von Nordrhein-Westfalen und der KPD-Zonenleitung der Britischen Besatzungszone. 1948-1949 KPD-Landesvorsitzender.

Seit 1948 Mitglied des Gesamtvorstands der KPD. August 1946 bis Februar 1948 Minister für Wiederaufbau in Nordrhein-Westfalen. 1946-1950 Mitglied des Nordrhein-Westfälischen Landtags. 1946-1948 Mitglied des Zonenbeirats der Britischen Besatzungszone. 1949-1953 Mitglied des Deutschen Bundestags. Paul vertritt hier konsequent die ablehnende Haltung seiner Partei gegen die von Konrad Adenauer (CDU) betriebene Politik der Westintegration und Wiederbewaffnung.

Innerparteilich 1949/50 wachsender Kritik ausgesetzt, wird von seinen Funktionen im KPD-Landesverband entbunden, bleibt jedoch im Gesamtvorstand der KPD. Mehrfach verhaftet, u.a. wegen Hochverrats und Staatsgefährdung. Mitte der 1950er Jahre nutzt er einen Hafturlaub, um sich in die DDR abzusetzen.

Nachlass: Kader-Unterlagen und weiteres biografisches Material in Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv, Berlin; Gestapo-Akten im Hauptstaatsarchiv, Düsseldorf.

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