Erste Tagung des Parlamentarischen rates in Bonn.

1.9.2008 | Von:
Thomas Freiberger

Deutschland in der Weltpolitik 1945-1948

In Jalta werden die "vier Ds" beschlossen

Die wesentlichen deutschlandpolitischen Beschlüsse wurden schließlich auf den Konferenzen von Jalta (4.2.-12.2.1945) und Potsdam (17.7.-2.8.1945) gefasst. Die Konferenz von Jalta war die letzte Konferenz der "Großen Drei", die noch von der Furcht vor einem wiedererstarkenden Deutschland dominiert wurde. So beschloss man in Jalta die Aufteilung des deutschen Staatsgebietes und der Hauptstadt Berlin zunächst in drei Besatzungszonen, die jeweils von einem der Bündnispartner besetzt werden sollten.
Winston Churchill (links), Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin im Februar 1945 während der Konferenz von Jalta.Winston Churchill (links), Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin im Februar 1945 während der Konferenz von Jalta. (© AP)
Ferner sollte eine Kontrollkommission, der spätere Alliierte Kontrollrat, bestehend aus den drei Oberbefehlshabern der alliierten Streitkräfte, die Besatzungszonen gemeinsam verwalten. Darüber hinaus erhielt Frankreich in Jalta eine Besatzungszone. Man verständigte sich zudem auf die Umsetzung der so genannten "vier Ds": die Demilitarisierung und Denazifizierung Deutschlands sowie die Dekartellisierung und Demontage der deutschen Industrie.

Eine Entscheidung in der heiklen Frage der Reparationszahlungen – Stalin wollte umfassende Entschädigungsleistungen, während Roosevelt und Churchill darin eine Gefährdung des Wiederaufbaus in Europas sahen – wurde aufgeschoben und in eine neu zu gründende Reparationskommission verlagert.

Erste Risse im Bündnis der Siegermächte

Die erste Konferenz der "Großen Drei" nach Kriegsende in Potsdam bekräftigte die auf Jalta beschlossene Deutschlandpolitik und konkretisierte sie weiter. So kam zu "den vier Ds" als Ziel die Demokratisierung Deutschlands hinzu. Ferner wurde unter anderem die Dezentralisierung der Verwaltung und der Wirtschaft sowie die Zulassung politischer Parteien in den Besatzungszonen beschlossen.

Die Frage der Reparationszahlungen wurde zwar erneut aufgegriffen, aber die von Stalin angestrebte Festlegung auf feste Summen wurde vermieden. Die Aushandlung eines Friedensvertrages mit Deutschland wurde dem neu geschaffenen Rat der Außenminister übertragen, der künftig in London tagen sollte.

Insgesamt ließ die Konferenz von Potsdam bereits erste Risse im Bündnis der Siegermächte erkennen. Es war Churchill, der nur wenige Wochen nach Jalta auf Konfrontationskurs zur UdSSR ging, nachdem er zunehmend den defensiven Charakter der sowjetischen Sicherheitspolitik in Osteuropa angezweifelt hatte.

In der Folge bemühte er sich zunächst erfolglos, Roosevelt und dessen Amtsnachfolger Harry S. Truman von der Gefährlichkeit der Sowjets zu überzeugen. Diesen Kurs setzte auch Churchills Nachfolger Clement Attlee fort, der nach dem erdrutschartigen Sieg der Labour-Partei in den britischen Unterhauswahlen (5.-26. Juli 1945) Churchill als Premierminister auf der Potsdamer Konferenz ablöste.

Die deutsche "Zusammenbruchgesellschaft"

Zahlreiche deutsche Städte, wie hier Hamburg, liegen 1945 in Schutt und Asche.Zahlreiche deutsche Städte, wie hier Hamburg, liegen 1945 in Schutt und Asche. (© AP)
Der deutschen Bevölkerung indes machten weniger die völkerrechtlichen Konsequenzen des Krieges zu schaffen, als vielmehr die lebenspraktischen Nöte und Sorgen einer "Zusammenbruch-
gesellschaft" (C. Kleßmann). Mehr als sieben Millionen Deutsche waren dem Krieg zum Opfer gefallen. Hinzu kamen 1,5 bis 2 Millionen Kriegsverletzte und für einen kurzen Zeitraum gerieten bis zu 9 Millionen Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Gleichzeitig stellte die Integration von rund 7,9 Millionen Vertriebenen die deutsche Nachkriegsgesellschaft vor große Herausforderungen.

Auch die materiellen Folgeschäden waren erheblich. Einige Großstädte waren bis zu 70 Prozent zerstört, wobei der Zerstörungsgrad durchschnittlich bei 40 Prozent lag. Der Bombenkrieg der Alliierten hatte vor allem Wohnraum, öffentliche Gebäude und einen Großteil der Verkehrsinfrastruktur zerstört. Hunger, Kälte und Obdachlosigkeit gehörten zu den drängendsten Problemen der unmittelbaren Nachkriegszeit, die durch den ungewöhnlich strengen Winter des Jahres 1946/1947 zusätzlich verschärft wurden. Deutschland lag am Boden, und die Bevölkerung war erschöpft und demoralisiert.

Die Alliierten teilen Deutschland auf

laender_westzoneDie Länder der Westzone 1948.
In dieser Atmosphäre teilten die Alliierten Deutschland in vier Besatzungszonen auf. Den Briten oblag die Verwaltung des heutigen Schleswig-Holsteins, Niedersachsens inklusive Hamburgs und Nordrhein-Westfalens. Frankreich erhielt die Oberhoheit über Rheinland-Pfalz, das Saarland und Baden. Die USA besetzten das heutige Bayern, Hessen und Württemberg, während Bremen und Bremerhaven als amerikanische Enklaven in der britischen Besatzungszone den Zugang zur Nordsee sicherten.

Die sowjetische Besatzungszone (SBZ) umfasste die heutigen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie wurden Polen zugeschlagen und die dort lebenden Deutschen von der Roten Armee vertrieben. Berlin erhielt einen Ausnahmestatus und wurde in vier Besatzungssektoren unterteilt.

In der Praxis sah die Besatzung recht unterschiedlich aus. Die Verwaltung mittels des Alliierten Kontrollrats war schwierig, da sowohl Frankreich als auch die Sowjetunion den Kontrollrat mit einer gezielten Vetopolitik zum Schutz eigener Interessen lahm legten. Die Beschlüsse von Potsdam konnten daher nur teilweise umgesetzt werden.

Während die Demilitarisierung ohne größere Schwierigkeiten durchgeführt werden konnte, stießen vor allem die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und die Entnazifizierung auf Unverständnis und Ablehnung in der deutschen Bevölkerung. Im März 1946 hatten in einer Umfrage der amerikanischen Militärregierung noch 57 Prozent der Bevölkerung in der U.S.-Besatzungszone eine Entnazifizierung befürwortet. Bereits im Dezember 1946 sank die Zustimmung auf 34 Prozent ab. Im September 1947 betrug die Zustimmung nur noch 32 Prozent um dann bis zum Mai 1949 auf 17 Prozent abzusinken.

Die allzu schematische Vorgehensweise bei der Entnazifizierung führte dazu, dass viele, deren Parteimitgliedschaft eher unpolitisch motiviert war, den Status des "Mitläufers" erhielten. Parteigenossen hingegen, die tief in die nationalsozialistischen Machenschaften verstrickt waren, wurden aufgrund fragwürdiger Verfahrensweisen relativ rasch als "entlastet" eingestuft.

So wurde die Entnazifizierung schließlich mit unterschiedlicher Intensität und Stoßrichtung in den einzelnen Besatzungszonen durchgeführt, um dann recht bald den Sachzwängen des heraufziehenden Kalten Krieges zum Opfer zu fallen, in dem Deutschland künftig ein wichtiger Verbündeter sein sollte.

Amerikaner und Engländer gewinnen das Vertrauen der Bevölkerung

Ebenso disparat verlief der Versuch der Deindustrialisierung. Während in den westlichen Besatzungszonen bereits früh von einer Deindustrialisierung und weit reichenden Demontagen Abstand genommen wurde, weil eine weitere Schwächung Deutschlands mit erheblichen Kosten für die Besatzer verbunden gewesen wäre, nahmen die Sowjets umfangreiche Demontagen und radikale Enteignungen vor.

Da die Schaffung einer einheitlichen Verwaltung im alliierten Kontrollrat nicht durchsetzbar war, geschah auch dies auf Ebene der Besatzungszonen und führte dazu, dass sich der staatliche Wiederaufbau von der kommunalen Ebene hinauf auf die Landesebene, also von unten nach oben, vollzog. Ebenso bildete sich mittelfristig in allen Zonen ein neues, annähernd vergleichbares Parteienspektrum heraus.

Entscheidend war jedoch, dass es den Amerikanern und Briten nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang, ein gutes Verhältnis zu der okkupierten Bevölkerung aufzubauen, während dies in der französischen Besatzungszone und der SBZ vollkommen misslang. Frankreich tendierte anfänglich zu einer harten Ausbeutungspolitik, die dann aber ab 1947 einer deutlich milderen Besatzungspolitik wich.

In der SBZ hingegen markierte das Jahr 1947 eine Verschärfung der andauernden Demontage-, Enteignungs- und Sowjetisierungspolitik, die in Verbindung mit den massenhaften Vergewaltigungen von Frauen durch die Rote Armee unmittelbar nach Kriegsende insgesamt eine Akzeptanz der Sowjets in Deutschland erheblich erschwerte. Diese Entwicklung in den Besatzungszonen spiegelte die sich stetig verschlechternden Ost-West-Beziehungen wider.

"Long Telegram" und der Beginn des Kalten Krieges

Auf amerikanischer Seite führten ein Wahrnehmungswandel in außenpolitischen und militärischen Regierungskreisen und zwei Krisen zu einer Neuorientierung in der Außenpolitik. Dieser Wandel wurde im Februar 1946 durch das berühmte "Long Telegram" des U.S.-Diplomaten George F. Kennan eingeleitet. Darin legte er dar, dass die UdSSR nicht mehr bereit zur Kooperation sei, sondern weltpolitisch opportunistisch-aggressiv agiere und deshalb politisch, gesellschaftlich und militärisch eingedämmt werden müsse.

Im März kam es zu einer ersten schweren Krise zwischen Washington und Moskau. Stalin hatte sich zunächst geweigert, wie vereinbart die eigenen Truppen nach Kriegsende aus dem Iran abzuziehen und versuchte, in der nördlichen Provinz Aserbaidschan ein Marionettenregime zu installieren. Im August 1946 setzte Moskau die Türkei mit dem Ziel unter Druck, die Kontrolle über den Zugang zum Schwarzen Meer, die Dardanellen, zu erlangen.

In beiden Krisen bot Washington Stalin erfolgreich die Stirn und verzichtete künftig auf weitere Kooperationsbemühungen, leitete eine deutschlandpolitische Wende ein und kündigte die wirtschaftliche Verschmelzung der amerikanischen und britischen Zone an, was Anfang Dezember 1946 auch geschah. Im Frühjahr 1947 verkündete Truman in Reaktion auf die kommunistische Infiltration in der Türkei und Griechenland die nach ihm benannte Doktrin, die allen vom Kommunismus bedrohten Ländern Beistand versprach.

Werbeplakat für den Marshallplan aus dem Jahr 1950.Werbeplakat für den Marshallplan aus dem Jahr 1950. (© HDG)
Am 5. Juni 1947 kündigte der amerikanische Außenminister George C. Marshall die Auflage eines wirtschaftlichen Hilfsprogramms für Europa, einschließlich des besetzten Deutschlands und der osteuropäischen Staaten, an. Stalin verweigerte den osteuropäischen Staaten die Teilnahme am "Marshall-Plan", schottete seine Einflusssphäre vom Westen ab und leitete eine verschärfte Repressions- und Sowjetisierungspolitik in der SBZ ein.

Die Zweistaatenlösung

Von da an lief de facto alles auf eine Zweistaatenlösung hinaus. Auf der Londoner Sechsmächtekonferenz (20.4.-2.6.1948) entschlossen sich die USA, England, Frankreich und die Beneluxstaaten, die Errichtung eines föderalen westdeutschen Staates voranzutreiben und die westdeutschen Besatzungszonen am Marshall-Plan zu beteiligen.

Nahezu zeitgleich wurde im Juni eine Währungsreform in den drei Westzonen durchgeführt, welche die wirtschaftliche Grundlage für einen westdeutschen Staat legen sollte. Am 1. Juli übergaben schließlich die Militärgouverneure der drei Westmächte den elf Ministerpräsidenten die am 7. Juni verfassten "Londoner Empfehlungen" und autorisierten damit die Landesväter zur Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung.


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