Auf der Seepromenade Warnemünde
3. Juli 1990

Ostzeit

Geschichten aus einem vergangenen Land



Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler und Harald Hauswald sind vier der bekanntesten ostdeutschen Fotografen und Gründer der Agentur OSTKREUZ. Mit ihren Arbeiten zeigen sie den Alltag, die Arbeit und die Menschen in der DDR. Die Fotografien entstanden ab 1972 und erzählen authentisch und ungeschönt von einem vergangenen Land. Es sind sensible Bilder der DDR und ihrer Menschen.

Sibylle Bergemann setzt sich in einer frühen konzeptionellen Arbeit mit dem Wohnungstyp P2 in den Ostberliner Plattenbauten auseinander. Ihre Bilder aus Clärchens Ballhaus kontrastieren die Starre der Plattenbauten. Werner Mahler beschäftigt sich in einer fotografischen Langzeitstudie mit dem thüringische Berka. Ute Mahler machte auf der Berliner Maiparade 1980 ganz unmittelbare Bilder der Teilnehmer. Abgeschlossen wird der Bildband durch eine Serie über die Wendezeit von Maurice Weiss, einem französischen Fotografen, der 1991 kurz nach der Gründung der Agentur OSTKREUZ ebenfalls Mitglied wurde.

Alle Inhalte des Angebots entstammen dem Band:Ostzeit - Geschichten aus einem vergangenen Land. Hrsg. OSTKREUZ Agentur der Fotografen, 2009. 288 Seiten, 190 Abb. ISBN 978-3-7757-2486-9

Harald Hauswald

Alltag

Wenn er fotografiert, sagt Harald Hauswald, dann ist es, als gehe er durch einen Film, dessen Bilder er für einen Moment lang anzuhalten versucht. Aber es sollen in diesem Moment immer auch der davor und der danach noch sichtbar bleiben. Die Aufnahmen aus dem Alltag sind auf der Straße entstanden, in Berlin, Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre, ohne einen Auftrag, ohne Zeitdruck, einfach beim Gehen. Weiter...

Sibylle Bergemann

Plattenbau

P2 bezeichnet einen Plattenbautyp , der erstmals Anfang der Sechzigerjahre gebaut wurde. In den Wohnungen war die Küche nicht vom Wohnraum abgeteilt, sondern offen. Die Frau sollte nicht vom Rest der Familie getrennt, der Mann zur Hausarbeit angeregt werden. Sibylle Bergemann fotografierte die Wohnungen 1974 für einen Dokumentarfilm, der am Beispiel eines Wohnblocks in Berlin-Lichtenberg davon erzählt, wie man sich im Grundriss des Lebens einrichtet. Weiter...

1989, Berlin, am Fernsehturm, Pfingsttreffen der FDJ.

Was aus mir geworden wäre

Als die Mauer fiel, war Marcus Jauer 15 Jahre alt und gerade auf dem Weg in die Tanzstunde. Später führte ihn sein Weg zum Studium nach München. Weiter...

1976, Gummlin, im Atelier von Ludwig Engelhardt.

Zurück in die Zukunft

"Die Vergangenheit existierte nicht mehr." Alexander Osang erinnert sich an seinen Werdegang nach dem Mauerfall. Nach acht Jahren in New York kam er zurück nach Berlin. Weiter...

1. September 1983, Berlin, illegale Demonstration an der Marienkirche zum Weltfriedenstag.

Fast ein Märchen

"Wie es wohl wäre wenn ich noch dort wohnte, wo ich aufgewachsen bin?" - Vor seinem Klassentreffen begegnet Ingo Schulze zufällig seiner alten Kindergärtnerin und zeichnet ihren Werdegang in Dresden-Klotzsche nach. Weiter...

Werner Mahler

Berka

Berka ist ein Dorf in Thüringen. 1977 ging Werner Mahler für seine Diplomarbeit dorthin und dokumentierte ein Jahr lang das Leben der Bewohner. Er porträtierte Menschen verschiedener Generationen und nahm die Plätze und Anlässe auf, an denen sie sich trafen: den Bäcker, den Konsum, den Sportplatz, das Feld, die Jugendweihe, die Hausschlachtung. Es entstanden einhundertfünfzig Ansichten eines Dorfes, das alles hat, was zu einer Gemeinschaft gehört. Weiter...

Ute Mahler

1. Mai 1980

Berlin, Karl-Marx-Allee, am Tag der Arbeit. Das Volk zieht an der Regierung vorbei. Eine staatlich organisierte Demonstration, die Freude an der Überzeugung ausdrücken soll und doch immer nach der gleichen Choreografie abläuft. Was bleibt, ist der Ausdruck der Leute, wenn sie denen, die das Land regieren, ins Auge sehen. Diesen Blick hat Ute Mahler festgehalten, als sie sich im Jahr 1980 direkt unter die Tribüne stellte. Weiter...

Werner Mahler

Bergbau

Braunkohle ist der große Energieträger des Landes. Sie wird mit riesigen Maschinen über Tage gefördert und nicht von Hand wie die Steinkohle, mit dem Presslufthammer, tausend Meter unter der Erde. Die Grube Martin Hoop bei Zwickau gehörte zu den letzten, in denen in der DDR noch Steinkohle abgebaut wurde. 1975 porträtierte Werner Mahler eine Arbeit, die wie aus einer anderen Zeit wirkt. Drei Jahre darauf wurde der Schacht geschlossen. Weiter...

Sibylle Bergemann

Clärchens Ballhaus

Clärchens Ballhaus ist ein privat geführtes Tanzlokal in Berlin-Mitte. Es spielt eine Kapelle, es gibt Bockwurst, Boulette mit Brot, und mittwochs ist verkehrter Ball. Dann versuchen nicht mehr ganz junge Frauen noch nicht ganz alte Männer kennenzulernen. Arbeiter, Soldaten, Dienstreisende, Fremdgeher. Einige Gäste kommen aus Westberlin und müssen vor Mitternacht am Grenzübergang sein. Aber schon nach Mitternacht reisen sie wieder ein. Weiter...

Ute Mahler

Zusammen leben

Mit dieser Reihe hat Ute Mahler im Jahr 1972 begonnen. Sie wollte die Art porträtieren, wie Menschen miteinander leben. Sie wollte zeigen, was zwischen ihnen und eigentlich nicht sichtbar ist. Über einige Jahre fotografierte sie quer durch das Land Männer, Frauen, Eltern, Kinder, Familien, Freunde, Fremde. Sie sammelte Möglichkeiten der immer gleichen Anordnung, und als sie 1986 das Gefühl hatte, alle gesehen zu haben, schloss sie die Reihe ab. Weiter...

Die Abiturienten

Die Schüler einer Oberschule aus Oranienburg bei Berlin. Es ist 1978, sie sind achtzehn, neunzehn Jahre alt, sie haben ihr Abitur bestanden und gehen nun ins Leben. Werner Mahler hat sie von da an im Abstand von jeweils fünf Jahren fotografiert. Weiter...

Mode

Die Aufnahmen entstanden Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre für die Frauenzeitschrift Sibylle. Die Models waren Frauen, die beruflich eher selten vor der Kamera standen. Fotografiert wurde kaum im Ausland, sondern häufig in der Nähe der Redaktion in Berlin. Weiter...

Der Verein

Zwei Fussballvereine gab es in Ostberlin, deren Anhänger eine tiefe Feindschaft verband. Der eine war der BFC Dynamo, Sportklub des Ministeriums für Staatssicherheit, der andere Verein war der 1. FC Union Berlin, der sich als unterdrückter Außenseiter begriff. Weiter...

Harald Hauswald

Am Rande der Republik

Das sind private Bilder, aufgenommen in Berlin Anfang bis Mitte der Achtzigerjahre. Sie zeigen Freunde und Bekannte von Harald Hauswald: Künstler, Punker, Oppositionelle. Er hat sie bei Lesungen fotografiert, bei Umweltkreisen, Mahnwachen, illegalen Demonstrationen und bei Abschiedspartys nach einem genehmigten Ausreiseantrag. Wenn einigen dieser Bilder die klare Härte fehlt, die Harald Hauswalds Arbeiten sonst auszeichnen, zeigt dies einen Konflikt: Er war diesen Menschen näher, als er ihnen mit der Kamera kommen wollte. Weiter...

Sibylle Bergemann

Das Denkmal

Ein Denkmal soll entstehen. Es soll die beiden Männer zeigen, die den Sozialismus gedacht haben, hineingestellt in das Land, in dem er wirklich wurde. Elf Jahre lang hat der Bildhauer Ludwig Engelhardt in seinem Atelier in Gummlin auf Usedom an den Figuren von Karl Marx und Friedrich Engels gearbeitet. Sibylle Bergemann hat ihr Entstehen dokumentiert. Von 1975 bis 1986, von den ersten Skizzen bis zum Aufbau in Berlin, beschreibt sie Schritt für Schritt den Weg, auf dem aus den Abbildern Vorbilder werden sollten. Weiter...

Maurice Weiss

Umbrüche

Die Mauer war keine vierundzwanzig Stunden gefallen, da traf Maurice Weiss in Berlin ein. Ein Fotostudent aus Dortmund, der sich das neue fremde Land mit der Kamera vertraut machte. Er arbeitete ohne Auftrag und ging zu den Plätzen, an denen die Verhältnisse umstürzten. Er sah den kurzen Moment, in dem die Bürger dabei waren, ihren eigenen Staat zu machen, bevor ihn das Volk schließlich an einen anderen übergab. Kein Jahr, und das Land war verschwunden. Weiter...

 

Online-Angebot

Teaser Jugendopposition in der DDR

Jugendopposition in der DDR

Ausgezeichnet mit Grimme Online Award: Wie haben junge Menschen in der DDR mit Mut und Musik gegen Stasi und SED-Diktatur gekämpft? Zeitzeugen berichten. Mit zahlreichen Videos, Fotos und Dokumenten. Weiter... 

Kontraste - Das Ende der DDRDossier

Kontraste - Auf den Spuren einer Diktatur

In der DDR gab es keine freien Medien, die Bevölkerung nutzte oft westdeutsche Sender zur Information. Mehr als 30 Magazinbeiträge der Sendung "Kontraste" aus den Jahren 1987 bis 2001 dokumentieren den Prozess der deutschen Einheit. Weiter... 

Dossier

Brandenburger Tor

Deutsche Teilung - Deutsche Einheit

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer. Die Teilung bekommt eine konkrete Gestalt. Mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften. Weiter... 

Denkmal für die Berliner MauerDossier

Lange Wege der Deutschen Einheit

Schockartige Umwälzungen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und persönlichen Lebensumständen: Welche Folgen brachte der Systemumbruch mit sich? Und wie verläuft seitdem der Einigungsprozess in Ost und West? Weiter... 

Dossier

„La Sarraz“ – Mediencollage von Lutz Dammbeck, Kulturhaus „Nationale Front“, Leipzig, 24. Juni 1984 (Szene, Ablaufplan, Regie: L. Dammbeck; Tanz: Fine; Filme: Teile von „Hommage à La Sarraz“, eine Collage alter deutscher Heimfilme, 16mm Fassung der Videoaufzeichnung der Herakles-Proben; Kamera: Thomas Plenert; Regie/Schnitt: L. Dammbeck; Diamaterial: L. Dammbeck; Musik: Life Jazz Lothar Fiedler, Hansi Noack, Gottfried Rößler, Thomas Hertel; Aufbau/Kaschur/Malaktion: Olaf Wegewitz, Hans Hendrik Grimmling, L. Dammbeck; Projektion: Dietrich Oltmanns, Norbert Wagenbrett), Foto: Karin Plessing
1982 hatte Lutz Dammbeck mit der Arbeit am Herkakles-Konzept als Szenarium für einen Experimentalfilm begonnen; nach der Ablehnung durch die DEFA entwarf er es als Rauminszenierung und Mediencollage neu. Mit seinen auf der Grundlage dieses Konzeptes entwickelten multimedialen Inszenierungen „La Sarraz“, „Herakles“ und „Realfilm“ näherte sich Dammbeck der deutschen Vergangenheit und der politischen und sozialen Realität in der DDR. Er wandte sich „dem Thema Faschismus“ zu, weil er für seine Generation die Möglichkeit sah, „unbelastet und scheinbar naiv nach beunruhigenden Phänomenen zu fragen. Fragen zum Beispiel nach Ursachen für die Fazination des Nazismus, nach der Wirkung der von ihm geweckten Bilder und Emotionen, bis in die Gegenwart hinein“. (L. D.)

Autonome Kunst in der DDR

Kaum eine Kunstentwicklung - die offizielle wie die unabhängige Ausstellungskultur - ist so ausführlich und gründlich dokumentiert worden wie die der DDR. Das Dossier widmet sich einigen wichtigen Ausstellungsräumen, Projekten und Initiativen sowie den Vermittlern und Protagonisten. Weiter... 

Ausprobiert "Radfahrer"

Ausprobiert "Radfahrer"

Ein Referendar erläutert, weshalb gerade der Kurzfilm "Radfahrer" die Stasi-Bespitzelungsmethoden im Unterricht näherbringen kann. Weiter...